Das Flächendenkmal Entlebuch auf dem Weg in die Zukunft

Keystone-SDA
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Ruswil,

Das kulturelle Erbe der Schweiz ist in vielerlei Hinsicht Gefahren ausgesetzt. Doch es gibt auch Wege, wie es erhalten werden kann. Welche, das zeigt das Beispiel Entlebuch im Kanton Luzern. Der Ort ist ein Programmpunkt der 33. Europäischen Tage des Denkmals.

Das Dorf Entlebuch im Kanton Luzern liegt eingebettet in die reizvolle Hügellandschaft der Voralpen. Der Ort selber ist mit seinen historischen Bauten ein Flächendenkmal, leidet aber ...
Das Dorf Entlebuch im Kanton Luzern liegt eingebettet in die reizvolle Hügellandschaft der Voralpen. Der Ort selber ist mit seinen historischen Bauten ein Flächendenkmal, leidet aber ... - Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Idyllisch ist es in der Region Entlebuch: typisch Voralpenland, eine landwirtschaftlich geprägte Hügellandschaft mit Streusiedlungen. Das Unseco-Biosphärenreservat lockt mit Naturschönheiten wie Moorlandschaften oder dem Karstgebiet der Schrattenflue, die Lebensraum sind für vielerlei Arten von Tieren und Pflanzen – von «internationaler Bedeutung», wie die Region für sich wirbt. Und der Ort, der der Region den Namen gibt: Er wartet mit historischen Bauten auf, beispielsweise mit dem Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert oder der barocken Pfarrkirche St. Martin mit ihrem Turm aus dem 13. Jahrhundert.

Ortsbild versus Kantonsstrasse

Doch diese Idylle im Ort Entlebuch ist seit Jahrzehnten empfindlich gestört: Die Hauptstrasse zerschneidet mit ihren zwei breiten Fahrspuren das Dorf. Als Verbindung von Bern über Wolhusen mit Luzern sorgt diese Kantonsstrasse für viel Verkehr. In den Häusern, an denen der Verkehr unmittelbar vor den Fenstern vorbei rauscht, wollte niemand mehr leben. Und der Ort Entlebuch drohte zum seelenlosen Strassendorf zu verkommen.

Was aber hat das mit einem Denkmal zu tun? «Das gewachsene Ortsbild mit zahlreichen historischen Gebäuden ist auch ein Flächendenkmal», sagt der Gebietsdenkmalpfleger Frank Bürgi zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Der Grund, warum der Ort Entlebuch zu einem von rund 400 Programmpunkten der diesjährigen Europäischen Tage des Denkmals in der Schweiz (12.-13. September) wurde, ist, dass die Gemeinde mit ihrem Problem vorbildhaft umgeht und vieles richtig macht.

«Ja, das ist ein Zielkonflikt zwischen Ortsbildpflege und der vielbefahrenen Durchgangstrasse», sagt Bürgi. Bereits in den 1980er und 90er Jahren seien Gebäude verschoben worden, um den engen Strassenraum zu entschärfen. Dann, vor rund zwanzig Jahren, «ist die Gemeinde zum Akteur geworden», so Bürgi. Pläne zur Ortsbildentwicklung gibt es seit 2007.

«Bemerkenswert ist vor allem, dass die Gemeinde 2020 einen sogenannten Gestaltungsbeirat ins Leben gerufen hat.» In diesem Gremium sind Architekten, Landschaftsarchitekten, Farbgestalter und Verkehrsplaner vertreten. Mit seinen unterschiedlichen Perspektiven spricht sich dieser Beirat mit der Denkmalpflege ab und berät die örtlichen Baubewilligungsbehörden. «Der Fokus liegt auf der Zusammenarbeit von Gemeinde, Kanton, dem Gestaltungsbeirat sowie den Grundeigentümerinnen und -eigentümern», so Bürgi.

«Der Ort wurde neu gedacht»

Und diese Zusammenarbeit ist nicht nur Theorie geblieben. Das erste grosse Projekt ist die Entwicklung und Gestaltung eines Zentrums- und Begegnungsplatzes im Dorfkern. «Der Ort wurde neu gedacht.» Dafür musste Platz geschaffen werden. Um das Nadelöhr Entlebuch mindestens an einer Stelle zu öffnen, wurden vier Gebäude abgebrochen. Schmerzhaft für den Denkmalpfleger war, dass ein Teil dieser Gebäude auf der Liste der historisch wertvollen Gebäude gestanden hat.

Das Ergebnis ist die 2024 eröffnete Überbauung Marktplatz, ein neues Gebäudeensemble prominent gegenüber der Pfarrkirche St. Martin. Dort sind die Gemeindeverwaltung, ein Grossverteiler, weitere Läden, ein Restaurant sowie Wohnungen untergebracht. Die Entlebucherinnen und Entlebucher haben nun einen Dorfplatz, der «als Treffpunkt zusehends funktioniert», sagt Bürgi. Damit sei ein Etappenziel erreicht. Diesen dynamischen Begriff wählt er mit Bedacht: «Entlebuch ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein Ort stets im Wandel ist. Und so soll es mit einem Denkmal sein – in diesem Fall mit dem Flächendenkmal des gewachsenen Ortsbilds.»

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