Es war ihm zu heiss: Gast flutet historischen Luzerner Landgasthof

Ein Hotelgast hat im historischen Gasthof Rössli in Adligenswil LU einen massiven Wasserschaden verursacht. Die Kosten dürften mehrere 10’000 Franken betragen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Gast liess Dusche und Wasserhahn während rund 90 Minuten laufen.
- Etwa 500 Liter Wasser flossen durch mehrere Stockwerke.
- Der Schaden dürfte mehrere Zehntausend Franken betragen.
Ein Gast hat den historischen Landgasthof Rössli in Adligenswil LU unter Wasser gesetzt. Weil ihm sein Hotelzimmer zu heiss war, liess er offenbar kaltes Wasser aus Dusche und Wasserhahn laufen.
Danach verliess er das Zimmer, um draussen geschäftliche Telefonate zu führen. Weil die Schiebetüre der Dusche offen stand und der Wasserdruck den Duschkopf nach oben drückte, spritzte das Wasser während rund eineinhalb Stunden ungehindert ins Zimmer.
Von dort drang es durch Böden, Decken und Wände bis in die darunterliegenden Stockwerke. Das berichtet «Zentralplus».
Wasser tropft aus Lampenfassung
Wirt Markus Sager war an diesem Abend nur zufällig im Gasthof. Dann hörte er ein Plätschern und bemerkte, wie Wasser aus einer Lampenfassung an der Decke tropfte.
Sager ging zunächst in die darüberliegende Wohnung und danach weiter zum Hotelzimmer im obersten Stock. Weil niemand öffnete, betrat er das Zimmer – und stand laut eigenen Angaben sofort im Wasser.

Nach seiner Schätzung waren rund 500 Liter Wasser ausgelaufen.
Brandmeldeanlage löst Fehlalarm aus
Sager stellte das Wasser ab und organisierte Wasserstaubsauger sowie Entfeuchtungsgeräte. Doch damit war die Sache noch lange nicht ausgestanden. Die Geräte überlasteten zeitweise das Stromnetz in den oberen Etagen, woraufhin mehrmals die Sicherungen heraussprangen.
Später löste auch noch die Brandmeldeanlage Alarm aus. Gegenüber Nau.ch erklärt Sager, dass ein durch das Wasser korrodierter Brandmelder um 22.30 Uhr die Feuerwehr auf den Plan rief.
Da es nicht brannte, handelte es sich um einen Fehlalarm.
Schäden reichen bis in den Keller
Im betroffenen Hotelzimmer mussten Handwerker den durchnässten Laminatboden entfernen. Das zeigen Bilder, die Nau.ch vorliegen. Über eine Kernbohrung wird nun auch die darunterliegende Bodenschicht getrocknet.
Inzwischen hat sich gezeigt, dass auch das angrenzende Zimmer von der Feuchtigkeit betroffen ist. Im Stockwerk darunter mussten in drei Zimmern die Decken entfernt werden.
Auch die Gaststube blieb nicht verschont. Dort wird die Decke derzeit aufgebrochen. Für Sager ist das besonders schmerzhaft: Dabei müsse auch alte Handwerksarbeit herausgerissen werden, schreibt er auf Anfrage von Nau.ch.
Das Wasser drang durch mehrere Stockwerke und gelangte schliesslich bis in die Kellerräume. Wände, Tapeten und Sockelleisten wurden beschädigt, an einzelnen Stellen hat sich bereits Schimmel gebildet.
Wie gross der Schaden tatsächlich ist, sollen weitere Abklärungen zeigen. Sager rechnet inzwischen mit Sanierungskosten von mehreren Zehntausend Franken. Ein Teil der Kosten dürfte trotz Versicherung beim Gasthof bleiben, da zeitgemässe Anpassungen als wertvermehrend gelten können.
Gasthof bleibt teilweise geöffnet
Zum Sachschaden kommen die Betriebsausfälle. Der Wasserschaden habe bei vielen Menschen den Eindruck erweckt, der Gasthof sei vollständig geschlossen, erklärt Sager. Das habe zu zusätzlichen Einbussen geführt.
Ganz schliessen musste das Rössli aber nicht. Dank des schönen Wetters konnte das Team die Gäste draussen bedienen, während in den Innenräumen die Trocknungsmaschinen liefen.
Auch die derzeitigen Betriebsferien hätten geholfen, den Ausfall in Grenzen zu halten. Dennoch mussten zwei Monatsgäste bereits aus- und umquartiert werden, teilweise auf Kosten des Gasthofs. Ein Teil der Arbeiten soll laut Sager in rund drei Wochen abgeschlossen sein.
Der Gast habe die Schuld inzwischen eingestanden.
Übergabe läuft trotz Baustelle weiter
Der Wasserschaden fällt mitten in die geplante Übergabe des Landgasthofs. Fabian Müller soll das Rössli von Markus und Susy Sager-Meyerhans übernehmen, die den Betrieb seit 32 Jahren führen. Trotz der unerwarteten Baustelle halte man an der Übergabe fest.
Sager bezeichnet Müller als bestens ausgewiesenen jungen Nachfolger, der im Rössli ein neues Kapitel aufschlagen wolle.









