Kapo Schwyz verstört mit Tiktok-Video

Die Kapo Schwyz flirtet auf Tiktok – mit Handschellen und leicht übergriffig. Experten und Politik sind gespalten.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Kapo Schwyz postete ein Tiktok mit Handschellen-Szene im Flirt-Format.
- Ein Kommunikationsexperte nennt die Botschaft ambivalent und unangemessen.
- SP-Kantonsrat Prelicz stört sich daran, erwartet aber keine Korrektur der Kapo.
- Die Kapo Schwyz verteidigt das Video als zeitgemässe Ansprache junger Zielgruppen.
Eine Frau steht mit Handschellen gefesselt vor einem Polizeiauto. Der Text dazu: «Wenn er dir die Tür nicht aufhält ...»
Daraufhin lächelt ein junger Polizist in Uniform in die Kamera – flirty, selbstsicher. «Ich tu's!»
So beginnt ein Tiktok-Video, das die Kantonspolizei Schwyz vor kurzem veröffentlichte. Es sorgt seither für geteilte Meinungen. Und für grosse Reichweite. 244'000 Aufrufe wurden bisher registriert.
Video verwischt «Grenzen zwischen Polizist und Freund»
Das Video spielt mit einem verbreiteten Dating-Meme-Format. Der Polizist als besserer Freund, die Verhaftungsszene als Vorgeschmack. Humorvoll gemeint. Aber ist das bei einer Staatsbehörde angemessen?
Kommunikationsexperte Raphaël Zumofen zweifelt.
Das Video verwische «die Grenzen zwischen dem Polizisten und dem Freund», sagt er gegenüber Nau.ch. Das sei «im aktuellen gesellschaftlichen Kontext unangemessen».

Zumofen erkennt zwar den Mut hinter dem Format. Das Ziel, Aufmerksamkeit für Polizeikarrieren zu erzeugen, habe die Kapo Schwyz erreicht.
Doch der Ton sei im aktuellen Kontext unangemessen und kaum vereinbar mit den Standards öffentlicher Kommunikation, so Zumofen.
SP-Kantonsrat: Kein Handlungsbedarf
Weniger kritisch sieht es Jonathan Prelicz. Der SP-Fraktionspräsident im Kantonsrat Schwyz findet es grundsätzlich gut, dass die Kapo auch humorvolle Videos poste.
«Es spricht mich persönlich nicht an und ich kann verstehen, dass sich Leute am Inhalt stören», sagte Prelicz. Eine Korrektur oder Erklärung seitens der Kapo erwarte er aber nicht.

Sein Vorschlag: Die Kapo Schwyz solle auch noch eine Version mit anderen Konstellationen nachliefern – «Mann verhaftet Mann» oder «Frau verhaftet Mann». So könnten noch mehr Personen abgeholt werden.
Kapo Schwyz verteidigt das Video
Die Kantonspolizei Schwyz steht zum Beitrag.
Kommunikationschef Roman Gisler sagt auf Anfrage: Es handle sich um «die Umsetzung eines aktuell verbreiteten Social-Media-Formats, das auch von verschiedenen Polizeiorganisationen genutzt wird.»
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Das Ziel sei gewesen, «einen zeitgemässen Zugang zum Polizeiberuf aufzuzeigen und insbesondere jüngere Zielgruppen anzusprechen». Der Beitrag sei «mit einem humorvollen Augenzwinkern gestaltet» worden.
Gisler verweist auf die Resonanz: Das Video sei «von einem Grossteil der Nutzerinnen und Nutzer positiv aufgenommen und kommentiert» worden. Produziert habe man es mit internen Mitteln, Der Aufwand sei entsprechend gering gewesen.
Zweischneidiges Schwert
Zumofen fasst das Dilemma so zusammen: Behörden müssten ihre Kommunikation neu erfinden, um junge Menschen zu erreichen.
Die nötige Kompetenz fehle aber oft intern. Und die Grenze zwischen mutigem Auftritt und Imageschaden sei «ziemlich dünn».
Kampagnen wie diese seien «spaltend.»
«Entweder werden die Menschen daran festhalten und die Kühnheit für brillant halten, oder wird als nutzlos und altmodisch eingeschätzt.» Ein zweischneidiges Schwert eben.










