Rekord-Preis: Schweizer Goldsucher nervt sich über «Idioten am Bach»

Der Goldpreis bewegt sich auf einem historischen Höhenflug. Lohnt es sich jetzt, nach Gold zu suchen? Nau.ch hat bei Schweizer Goldsuchern nachgefragt.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit einiger Zeit befindet sich der Goldpreis auf einem historisch hohen Niveau.
- Fände man aktuell zwei Gramm täglich, würde man rund 7200 Franken im Monat verdienen.
- Wie realistisch ist das? Nau.ch hat bei Schweizer Goldsuchern nachgefragt.
Wer vor drei Jahren Gold gekauft hat, kann sich glücklich schätzen. Der Goldpreis hat sich seither mehr als verdreifacht. Mittlerweile kostet ein Kilogramm Gold über 120'000 Schweizer Franken.
Grund: In Krisenzeiten gilt Gold oft als sicherer Hafen. Das turbulente Weltgeschehen der letzten Jahre hat den Preis deshalb stark in die Höhe getrieben. Nebst Investoren und Goldbesitzern werden auch Goldsucher hellhörig.
Eine einfache Rechnung zeigt, wieso: Wer beim aktuellen Goldpreis zwei Gramm Gold am Tag findet, verdient in einem Monat rund 7'200 Schweizer Franken.
Mit dem historisch hohen Goldpreis stellt sich deshalb die Frage: Bricht nun ein Goldrausch aus?
Nau.ch hat bei zwei Gold-Fanatikern nachgefragt, wie realistisch das in der Schweiz ist. Und ob man das Gold überhaupt verkaufen kann.
Sechs bis acht Stunden harte Arbeit für ein knappes Gramm Gold
Zwei Gramm pro Tag – Das klingt erstmal nicht nach viel.
Patrick Süss bietet Goldwasch-Workshops im Napfgebiet an und ist selbst leidenschaftlicher Goldsucher. Er relativiert: «Mit der traditionellen und erlaubten Methode kommen wir im Kanton Luzern auf 0,3 bis 0,9 Gramm reine Goldflitter täglich.»
Beim Napfgold handle es sich jedoch um sehr reines Gold mit fast 24 Karat. Deshalb würden diese Mengen unter Sammlerkreisen für etwa 200 Schweizer Franken gehandelt. «Dabei wird aber im Durchschnitt sechs bis acht Stunden geschaufelt und das ist wirklich harte Arbeit», erklärt er.

Süss arbeitet mit Schaufel und Waschrinne. In der Schweiz sei es nämlich gesetzlich verboten, mit Hilfe von motorisierten Geräten und Maschinen nach Gold zu suchen. «Damit wären mehrere Gramm Gold am Tag möglich», sagt er.
Selbstgewaschenes Gold lässt sich kaum verkaufen
Markus Liechti ist einer der wenigen professionellen Goldsucher in der Schweiz.
Der Berner verarbeitet sein gefundenes Gold in seinem eigenen Atelier zu Schmuck weiter. Auf Anfrage von Nau.ch meint er: «Bei uns in der Schweiz ist die Goldsuche so unattraktiv wie eh und je.»
Es gebe nämlich keinen Markt für diese kleinen Mengen selbst gewaschenes Gold. Warum? «Weil es kein Zertifikat der Herkunft gibt», so Liechti.
Wo finden Profis ihr Gold?
Während Patrick Süss klassisch an Bächen und Flüssen nach Gold sucht, fährt Markus Liechti eine andere Strategie. «Das Gold, das ich verwende, stammt aus Schweizer Kieswerken», verrät er.

Der Zutritt zu diesen Anlagen sei für «geld- und goldgierige Hobby-Schürfer, die das schnelle Geld wittern», strengstens verboten. Kieswerke arbeiten aus Sicherheitsgründen nur mit Profis zusammen.
«Ich stelle seit drei bis fünf Jahren eine Zunahme von Idioten im Bach fest»
Liechti erkennt in letzter Zeit einen Anstieg an Goldsuchern in der Schweiz, was ihn beunruhigt: «Ich stelle seit drei bis fünf Jahren eine Zunahme von Idioten im Bach fest, welche denken, man könne schnell viel Gold finden.»
Das habe in den letzten zwei Jahren zu massiven und flächendeckenden Verboten in der Schweiz geführt. Vielerorts sei die Goldsuche nur noch während vier von zwölf Monaten und nur mit Pfanne und gegen Bezahlung erlaubt. «So macht es keinen Spass mehr», sagt Liechti.
Ausgelöst worden sei dieser Trend auf Social Media. Der Naturgoldschmied stört sich an den «Vollidioten», die «sämtliche Goldwaschaktivitäten in heroischen Videos verpackt auf ihren Kanälen verteilen».
Im Ausland liegt der grosse Schatz
Doch wenn man wirklich nennenswerte Mengen Gold finden wolle, müsse man ins Ausland gehen. Hierzulande sei man extrem eingeschränkt.
Patrick Süss hat dies zu Beginn des Jahres gemacht – mit Erfolg! Er war mit dem Metalldetektor in der Wüste Arizonas (USA) unterwegs und konnte an einem einzigen Tag drei beachtliche Nuggets finden. «Das zeigt mir ganz klar das Potenzial solcher Gebiete», sagt er.
Goldrausch 2.0
In Ländern mit sehr grossem Goldvorkommen leben laut Süss noch heute viele Menschen davon. Zum Teil werde sogar von einem «Goldrausch 2.0» gesprochen.
In der Schweiz sei die Goldsuche für die meisten eine grosse Leidenschaft. Dies «aber immer mit dem Gedanken im Hintergrund, vielleicht irgendwann den ‹grossen Schatz› zu finden».












