Schwyzer Älpler muss Touris fast «täglich» zurechtweisen

Auf einer abgelegenen Alp im Muotatal sorgen Wildcamper für Ärger. Sie hinterlassen Abfall, beschädigen Zäune und brechen sogar in eine Alphütte ein.

Das Wichtigste in Kürze
- Auf der Alp Rupperslaui im Muotatal campieren regelmässig Touristen trotz Verbot.
- Älpler Oskar Gwerder beklagt Littering, beschädigte Zäune und sogar Einbrüche.
- Besonders problematisch: Die Camper stören seine rund 400 Schafe an der einzigen Wasserstelle.
- Die Oberallmeindkorporation Schwyz prüft nun ein offiziell verfügtes Campingverbot.
Postkartenidylle, Bergsee und der Achslenstock im Hintergrund: Die Alp Rupperslaui im Muotatal SZ bietet genau die Kulisse, die auf Instagram und Tiktok funktioniert.
Für Älpler Oskar Gwerder ist die vermeintliche Idylle inzwischen aber vor allem eines: ein Problem.
Fast jeden Abend würden Touristinnen und Touristen beim kleinen Teich auf rund 2000 Metern ihre Zelte aufstellen, berichtet der «Bote der Urschweiz». Und das, obwohl direkt vor Ort Schilder auf das Campingverbot hinweisen.

Gwerder ist während der Alpsaison mit rund 400 Schafen auf Rupperslaui. Seine Hütte liegt nur etwa 100 Meter vom Teich entfernt.
Schafe trauen sich nicht mehr ans Wasser
Der Teich, im Muotatal «Flöösch» genannt, ist für den Älpler weit mehr als ein schönes Fotosujet. Im Sommer ist er die einzige Wasserquelle für seine Tiere.
Campieren dort Menschen, trauen sich die Schafe teilweise nicht mehr ans Wasser. «Es geht ums Tierwohl», sagt Gwerder gegenüber dem «Boten».
Damit nicht genug. Die Besucher hinterlassen laut dem Älpler Abfall, machen Feuer und verwenden dafür teilweise sogar Zaunpfähle. Auch in seine Alphütte sei schon eingebrochen worden.
Immer wieder werde zudem der Herdenschutzzaun beschädigt.
An einem einzigen Tag habe er diesen gleich an sechs verschiedenen Stellen reparieren müssen. Werden die Zäune niedergetrampelt, seien seine Schafe nicht mehr ausreichend vor Raubtieren geschützt.
«Instagram- und Tiktok-Leute» kommen auf die Alp
Noch vor rund zehn Jahren verirrten sich laut Gwerder kaum Menschen nach Rupperslaui. Das änderte sich, nachdem die Bergkulisse mit dem Teich mehr Aufmerksamkeit bekam. Das Motiv war unter anderem beim SRF als Bild des Monats zu sehen.
Später verbreiteten sich Bilder des Ortes über die sozialen Medien. Seit der Corona-Pandemie sei der Andrang nochmals deutlich gestiegen. «Wir werden von Instagram- und Tiktok-Leuten belagert», sagt Gwerder.
Etwa die Hälfte der Besucher komme aus der Schweiz. Andere reisten aus Ländern wie Spanien, Portugal, Belgien, England oder sogar Kanada an.
Bemerkenswert: Ein markierter Wanderweg führt gar nicht nach Rupperslaui.
Gwerder versucht deshalb selbst, auf die Touristen einzuwirken: «Fast täglich ging ich rüber zum ‹Flöösch› und redete dort mit den Touristen, um sie auf die Probleme hinzuweisen.»
Nicht immer stosse er damit auf Verständnis. Manche würden sogar frech reagieren. «Das ist dann das Tüpfelchen auf dem i», sagt der Älpler.
Eigentümerin prüft gerichtliches Campingverbot
Auch die Oberallmeindkorporation Schwyz kennt die Situation. Sie ist Grundeigentümerin des Gebiets. «Wir versuchen, eine Lösung zu finden, aber es ist schwierig», sagt Geschäftsführer Daniel von Euw dem «Boten».
Im Kanton Uri hat man beim Seewlisee bereits reagiert. Dort ist Campieren nur noch mit vorgängiger Bewilligung erlaubt. Diese kostet 20 Franken pro Person.
Für Rupperslaui kommt dieses Modell laut der OAK allerdings nicht infrage. Die Schafe würden durch Camper unabhängig von einer Gebühr zu stark gestört.
Der Verwaltungsrat der OAK will sich noch in diesem Jahr mit dem Problem befassen. Zur Diskussion steht laut von Euw ein offizielles Campingverbot, das auf dem Gerichtsweg erwirkt werden könnte.





