Luzerner Staatsanwaltschaft registriert so viele Fälle wie noch nie

Bei der Luzerner Staatsanwaltschaft sind im vergangenen Jahr 60'452 Fälle neu eingegangen. Das ist ein neuer Rekord und der vierte Anstieg der Neueingänge in Folge.

Das Rekordhoch führt der Oberstaatsanwalt Daniel Burri auf das Bevölkerungswachstum, die «Urbanisierung» und die zunehmende Cyberkriminalität zurück. Dies sagte er am Dienstag bei der Präsentation des Jahresberichts vor den Medien. Die Fallbelastung blieb hoch: Gegenüber dem Vorjahr nahm sie um 525 Fälle zu. Dazu trug auch die steigende Zahl grosser und untersuchungsintensiver Verfahren bei, wie es weiter hiess.
Zur «grossen Freude» von Burri, der Ende Jahr nach rund 20 Jahren «an vorderster Front» der Staatsanwaltschaft in Pension geht, konnte die Behörde mit ihren 175 Mitarbeitenden nahezu gleich viele Fälle erledigen, wie neue eingingen. Der Erledigungsquotient lag damit erstmals seit Jahren bei rund 100 Prozent.
«Es lohnt sich, in den Rechtsstaat zu investieren», sagte Burri, warnte jedoch davor, bereits von einer Entwarnung zu sprechen. Noch immer sei die Fallbelastung hoch, die Personalressourcen knapp und die Verfahrensdauern lang.
46'145 Verfahren wurden mit Strafbefehlen abgeschlossen. Dabei handelte es sich um Delikte, die mit einer Busse, einer Geldstrafe bis 180 Tagessätzen oder einer Freiheitsstrafe von maximal einem halben Jahr sanktioniert werden.
Die Hauptdeliktsgruppe, rund 36'500 Fälle, betrafen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, also Taten, die im Strassenverkehr verübt wurden. Gegenüber dem Vorjahr stieg diese Zahl um zehn Prozent.
Die grösste prozentuale Zunahme an Fällen im Berichtsjahr verzeichneten die Strafverfolgungsbehörden bei den Widerhandlungen gegen Leib und Leben (+12 Prozent). 1117 Fälle zählte die Staatsanwaltschaft im Jahr 2025. Diese seien jedoch nicht auf schwere Delikte wie Körperverletzungen oder Tötungen zurückzuführen, sagte Burri. «Es handelte sich eher um Fälle wie Ohrfeigen oder Faustschläge.» Die Hemmschwelle sei jedoch tendenziell gesunken, so der Oberstaatsanwalt weiter.
Bei den Straftaten gegen die sexuelle Integrität (-12 Prozent) und bei den Vermögensdelikten (-6 Prozent) verzeichneten die Strafverfolgungsbehörden prozentual die grössten Rückgänge. Burri wollte bei den Fallzahlen jedoch nicht von einem Trend sprechen.
Zu den Beschuldigten: Vier von fünf Delinquenten waren 2025 Männer. Bei den Delikten gegen die «Ehre sowie den Geheim- und Privatbereich», dazu zählen Beschimpfungen, üble Nachrede oder Hausfriedensbruch wurden 32 Prozent der Taten von Frauen verübt. Der Anteil der ausländischen Delinquenten betrug im vergangenen Jahr 45 Prozent.
Bei der Jugendanwaltschaft nahmen die Gesamtfallzahlen um rund sechs Prozent von 1947 auf 1830 Fälle leicht ab. Trotz dieser Entwicklung lasse sich daraus kein «nachhaltiger Trend» erkennen, so Burri. Bei den ausgeübten Gewaltdelikten seien die Zahlen tief und Schwankungen ausgesetzt, hiess es weiter. 2025 gab es mehr Körperverletzungen und Tätlichkeiten, aber weniger Angriffe und Raufhandel, wie aus dem Jahresbericht hervorging.




