«Vorreiterrolle»: Stadt Luzern soll Lehrlingen 8 Wochen Ferien geben

Ein Vorstoss fordert von der Stadt Luzern, dass sie ihren Lehrlingen acht Wochen Ferien gewährt. In der Privatwirtschaft spricht man von «unfairer Konkurrenz».

Das Wichtigste in Kürze
- Der Bundesrat lehnt mehr Ferien für Lehrlinge in der Schweiz ab.
- Grüne und SP der Stadt Luzern fordern von der Stadt acht Wochen Ferien für Lehrlinge.
- Man solle Wohlbefinden und die mentale Gesundheit der Lernenden sicherstellen.
Eine Allianz aus Lernenden und Gewerkschaften hatte letzten Sommer auf nationaler Ebene die Petition «Acht Wochen Ferien in der Lehre» eingereicht. Auf offene Ohren ist diese damit beim Bundesrat aber nicht gestossen.
Denn dieser beantragte im November sogar eine Ablehnung aller Vorstösse, die mindestens sechs Wochen Ferien forderten. Dies würde für die Lehrbetriebe «einen Verlust an produktiver Arbeitszeit» bedeuten, so die Begründung.
Doch was der Bundesrat ablehnt, soll nun die Stadt Luzern umsetzen, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet. Denn im Grossen Stadtrat haben Grüne und SP ein Postulat mit der Forderung für acht Wochen Ferien für Lernende eingereicht.
Luzern soll «Vorreiterrolle einnehmen»
Darin wird festgehalten: Es sei wichtig, das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit der Lehrlinge sicherzustellen und stetig auszubauen.
Dabei soll der Stadt Luzern «eine Vorreiterrolle zukommen». Das Postulat verlangt von der Stadtregierung die Prüfung, wie man für Lernende der Stadt acht Wochen Ferienanspruch umsetzen kann.
Grünen-Politikerin: «Mehr als gerechtfertigt»
Schon jetzt haben diese Anspruch auf sechs, statt die gesetzlich vorgeschriebenen fünf Wochen Ferien. «Acht Wochen Ferien in der Lehre sind mehr als gerechtfertigt», begründet Erstunterzeichnerin Chiara Peyer von den Grünen. Schliesslich sei der Druck auf Lernende gross.
Im Gegensatz zur nationalen Ebene dürfte ihr nach die Forderung in der Stadt mehr Chancen haben – wegen der unterschiedlichen politischen Kräfteverhältnisse. Doch würde so nicht ein Nachteil für die Privatwirtschaft entstehen?
Nein, ist sich die Grünen-Grossstadträtin sicher. Schliesslich könnte diese nachziehen und freiwillig auch acht Wochen Ferien anbieten. Dies sei teils ja auch schon der Fall. So etwa in der Schreiner-Branche.
«Unfaire Konkurrenzsituation»
Anders sehen das Leute aus der Privatwirtschaft: «Die Stadt kann sich solche Modelle leisten – private Betriebe nicht. Das schafft eine unfaire Konkurrenzsituation», sagt etwa Benjamin Koch, Präsident des Wirtschaftsverbands WVL Stadt Luzern.
FDP-Grossstadtrat Mike Hauser sorgt sich derweil um die Vermittlung des Lehrstoffs. «Pro Jahr gingen zwei Wochen verloren», so Hauser, der ebenfalls WVL-Mitglied und Hotelier ist.
Er wisse nicht, ob das rein vom Lehrplan her noch funktionieren würde. Ausserdem findet er es «immer ganz heikel», wenn der Staat die Privatwirtschaft konkurrenziere.
«Wenn wir so weitermachen...»
Hauser selbst sorgte mit seinem Hotel «Schweizerhof» als Ausbildungsbetrieb national für Aufsehen. Weil dort alle Lernenden, die nach der Lehre mindestens zwölf Monate im Betrieb bleiben, 5000 Franken für eine Weltreise erhalten.
Koch befürchtet, dass die acht Wochen Ferien nur ein erster Schritt wären: «Wenn wir so weitermachen, diskutieren wir bald über 80- oder sogar 60-Prozent-Lehrstellen – alles im Namen der Work-Life-Balance.»
Die Stadt Luzern hat derzeit 60 Lernende in zwölf verschiedenen Berufen. Darunter etwa Gärtner, Motorgerätemechaniker oder Informatiker.










