Schwyz

Das Wasserstoff-Taxi am Walensee hat noch einen langen Weg vor sich

Keystone-SDA Regional
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March-Höfe,

Mit dem Projekt eines wasserstoffbetriebenen Shuttles auf dem Walensee hat die Stiftung «Quinten lebt» Neuland betreten. Das Projekt benötigt mehr Zeit als ursprünglich gedacht und ist auf weitere Gelder angewiesen. Wann der Katamaran das erste Mal in See sticht, ist noch offen.

Mit Wasserstoffantrieb sollen Passagiere künftig über den Walensee schippern können. (Visualisierung)
Mit Wasserstoffantrieb sollen Passagiere künftig über den Walensee schippern können. (Visualisierung) - Stiftung «Quinten lebt»

Idyllisch am Walensee und zu Füssen der Churfirsten gelegen, ist das Dorf Quinten nur zu Fuss oder mit dem Schiff erreichbar. Für letztere Variante, um zur Siedlung zu gelangen, bahnt sich eine kleine Revolution an: Erstmals soll ein komplett neu gebautes, wasserstoffbetriebenes Boot auf einem Schweizer See kommerziell eingesetzt werden und Passagiere nach Quinten und von dort wegbringen.

Zumindest hiess es das in einer Mitteilung vor rund zwei Jahren, in welcher der Kanton St. Gallen auf die Unterstützung des Projektes in der damals abgeschlossenen Entwicklungsphase hinwies. Was ist aus dem Projekt geworden?

«Anfassen kann man das Boot noch nicht», sagte Joel Schmid auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zum aktuellen Projektstand. Schmid steht als Präsident der Stiftung «Quinten lebt» vor, welche die Idee eines wasserstoffelektrisch angetriebenen Katamarans mit Platz für 12 Passagiere ins Leben gerufen hat. Gleichzeitig betont er, dass Fortschritte erzielt worden seien und die Stiftung das Projekt weiter vorantreibe.

Die Firma Shiptec in Luzern sei mit dem Rohbau des Schiffes beauftragt worden, der im Herbst 2026 fertig sein soll. «Bei einem Auto entspräche das einem Fahrzeug mit vier Rädern und einer Karosserie, aber noch ohne Motor», führte Schmid aus.

Boot ist kein «Luftschloss»

Und er versichert: «Das Boot ist kein Luftschloss. Es kommt. Einfach nicht mit der Geschwindigkeit, wie wir uns das ursprünglich erhofft haben.» Bereits das Auswahlverfahren für die am besten geeignete Antriebsart – zu Beginn sei etwa auch über eine Lösung mit Strom aus Solarzellen nachgedacht worden – habe viel Zeit in Anspruch genommen.

Aus einer «einfachen Idee» sei mittlerweile ein technisch hochkomplexes Projekt geworden, dessen Realisierung einiges an Zeit in Anspruch nehme. Die Projektverantwortlichen hätten den Anspruch, am Walensee technische Innovation voranzutreiben. Beispielsweise sollen mit dem Projekt erstmals in der Schweiz Erfahrungen mit dem autonomen und halbautonomen Fahren im maritimen Bereich gesammelt werden.

Lange dauerten auch diverse Zertifizierungsverfahren, etwa beim Bund. Ein «wichtiger Meilenstein für die technische Validierung des Projektes» ist gemäss Schmid bereits erreicht worden.

Die Lloyd's Register Rotterdam Emea, ein auf die Schifffahrt spezialisiertes Zertifizierungsunternehmen, habe dem Projekt ein sogenanntes «Approval in Principle» ausgestellt und damit die Baupläne des Schiffes abgesegnet respektive die technische Machbarkeit bestätigt. Auch der Kanton St. Gallen schrieb in der Mitteilung von vor rund zwei Jahren, dass die technische Machbarkeit des Projekts nachgewiesen sei.

Stiftung benötigt noch mehr Geld

Ist der Rohbau bei der Shiptec AG abgeschlossen, sollen die Ausbauten folgen. Dann werden die Batterien und der Motor eingebaut. Dafür ist die Stiftung «Quinten lebt» auf weitere Gelder angewiesen.

Voraussichtlich 2027 wird es eine weitere Finanzierungsrunde geben. Aktuell ist das Projekt gemäss Schmid zu rund 65 Prozent finanziert. Was das in Zahlen genau bedeutet und wie viel das Projekt insgesamt kosten wird, gibt er nicht preis.

Der Hauptteil des Geldes stamme von privaten Gönnerinnen und Gönnern, führte Schmid weiter aus. Hinzu kämen Beiträge der öffentlichen Hand, etwa von der Gemeinde, dem Kanton St. Gallen oder dem Bund. Betrieben werden soll das Shuttle dereinst durch die Schiffsbetrieb Walensee AG. Vorgesehen ist gemäss Schmid, dass es während Rand- und Spitzenzeiten den regulären Linienverkehr verstärkt. Zudem soll der Katamaran voraussichtlich auf Abruf bestellbar sein.

Wasserstoff ist verfügbar

Keine Sorgen macht sich der Stiftungsratspräsident über die Verfügbarkeit von Wasserstoff in der Region. «Die Axpo produziert in Domat-Ems bereits Wasserstoff und auch die Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs wird das in Zukunft machen.»

Eingebettet ist das Projekt des Walensee-Shuttles zudem in das sogenannte H2-Lab, im Rahmen dessen unter anderem verschiedene Wasserstoffanwendungen in der Schifffahrt, im Gütertransport und in der Industrie im Gebiet Bodensee-Alpenrhein erprobt werden. Unter den Projektpartnern befinden sich neben der Stiftung «Quinten lebt» unter anderem die Ostschweizer Fachhochschule Ost und das Energieunternehmen Axpo. Im Rahmen dieses Projektes wird gemäss Schmid auch abgeklärt, wo eine Wasserstofftankstelle für das Betanken des Shuttles gebaut werden könnte.

Bis das Shuttle dann in See sticht, wird wohl noch einiges an Zeit vergehen. «Ich weiss noch nicht, wann das Schiff zum ersten Mal Wasser unter dem Kiel haben wird», so Joel Schmid. Dass es so weit kommt, steht für ihn aber ausser Frage.

Kommentare

User #3810 (nicht angemeldet)

Hässliche Kiste....

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