Zug schafft mehr Klarheit bei den Schulnoten

Uwe Guntern
Uwe Guntern

Region Zug,

Der Kanton Zug passt die Regeln für die Leistungsbeurteilung an. Prüfungen, Noten und Rückmeldungen sollen transparenter werden.

Mehr Klarheit bei Schulnoten im Kanton Zug
Der Bildungsrat des Kantons Zug will eine ganzheitliche, transparente und nachvollziehbare Beurteilung, welche das Lernen der Schülerinnen und Schüler unterstützt. - Adobe Stock

Der Schulalltag im Kanton Zug bekommt ein neues Regelwerk für die Beurteilung. Der Bildungsrat hat die Vorgaben für die gemeindlichen Schulen überarbeitet und damit festgelegt, wie Leistungen von Schülerinnen und Schülern beurteilt werden sollen.

Die neuen Bestimmungen gelten seit Beginn des laufenden Schuljahres. Im Zentrum steht ein Anspruch, der für Schule und Eltern gleichermassen wichtig ist: Beurteilungen sollen verständlich, nachvollziehbar und fair sein.

Gleichzeitig sollen sie nicht nur festhalten, was ein Kind oder ein Jugendlicher bereits kann, sondern auch zeigen, wo weiteres Lernen ansetzen kann. Die überarbeiteten Vorgaben finden sich im öffentlich zugänglichen Promotionsreglement.

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Der Schulalltag im Kanton Zug bekommt ein neues Regelwerk für die Beurteilung. (Symbolbild) - keystone

Parallel dazu wurden die Grundsätze «Beurteilen und Fördern» weiterentwickelt. Der Bildungsrat will damit die Beurteilung stärker vereinheitlichen und gleichzeitig ihren pädagogischen Zweck unterstreichen.

Nicht nur die Prüfungsnote zählt

Am Grundprinzip der Beurteilung ändert sich wenig. Sie bleibt ganzheitlich und besteht weiterhin aus drei Elementen: der formativen, der summativen und der prognostischen Beurteilung. Bei der formativen Beurteilung geht es vor allem um das Lernen während des Unterrichts.

Lehrpersonen geben den Schülerinnen und Schülern laufend Rückmeldungen. Sie zeigen auf, was bereits gut funktioniert und wo noch Schwierigkeiten bestehen. Dadurch sollen die Kinder und Jugendlichen ihr eigenes Lernen besser verstehen und gezielt an ihren Schwächen arbeiten können.

Die summative Beurteilung zieht dagegen eine Bilanz. Sie zeigt, welche Lernziele erreicht wurden. Dazu zählen insbesondere Prüfungen und andere Leistungsnachweise.

Sie bilden damit einen wichtigen Teil der Grundlage für die Zeugnisnoten. Eine dritte Perspektive richtet den Blick nach vorne: Bei der prognostischen Beurteilung berücksichtigt die Lehrperson auch die Entwicklung und das Potenzial eines Kindes oder Jugendlichen.

Diese Einschätzung kann beispielsweise bei Entscheidungen über die weitere schulische Laufbahn eine wichtige Rolle spielen. Damit wird deutlich: Eine einzelne Prüfung soll nicht über den gesamten Leistungsstand eines Schülers oder einer Schülerin entscheiden.

Die Note ist vielmehr das Ergebnis einer umfassenderen Beurteilung. Genau hier setzen einige der neuen Vorgaben an. Künftig wird klarer geregelt, wie Leistungen beurteilt werden und welche Informationen Schülerinnen, Schüler und Eltern erwarten dürfen.

Bildung
Beurteilungen sollen verständlich, nachvollziehbar und fair sein. (Symbolbild) - depositphotos

Ein wichtiger Punkt betrifft die Notenskalen bei Prüfungen. Grundsätzlich werden Prüfungsergebnisse mit Noten ausgewiesen. Möglich sind ganze, halbe und Viertelnoten. In den unteren Klassen können weiterhin auch Begriffe oder Zeichen verwendet werden.

Entscheidend ist, dass die Bewertung nachvollziehbar bleibt. Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern sollen wissen, nach welcher Skala eine Prüfung beurteilt wird und welche Punktzahl beispielsweise für eine genügende Leistung mit der Note 4 oder für eine sehr gute Leistung mit der Note 6 notwendig ist.

Eine Prüfung besteht damit nicht einfach aus einer automatischen Umrechnung von Punkten in Noten. Die Lehrperson beurteilt die erbrachte Leistung anhand zuvor festgelegter Kriterien. Die Note fasst das Ergebnis dieser Beurteilung zusammen.

Für Familien bedeutet das mehr Transparenz: Wenn ein Kind mit einer bestimmten Note nach Hause kommt, soll möglichst klar sein, wie diese zustande gekommen ist. Überraschungen bei der Zeugnisnote sollen vermieden werden.

Prüfungen sollen schneller zurückkommen

Auch der Zeitpunkt, an dem Schülerinnen und Schüler ihre Prüfungen zurückerhalten, wird wichtiger. Die Ergebnisse sollen zeitnah vorliegen. Denn eine Prüfung erfüllt ihren Zweck nicht erst mit einer Zahl am oberen Rand des Blattes.

Eine rasche Rückmeldung ermöglicht es den Lernenden, aus Fehlern zu lernen und Wissenslücken zu schliessen. Gleichzeitig erhalten Eltern einen besseren Einblick in den aktuellen Lernstand ihres Kindes.

Neu macht das Promotionsreglement zudem Vorgaben zur Mindestzahl der Prüfungen, die einer Zeugnisnote zugrunde liegen. Pro Semester sollen in einem Fach mindestens so viele Prüfungen stattfinden, wie dort pro Woche Lektionen unterrichtet werden.

Das lässt sich an einem konkreten Beispiel verdeutlichen: In der Mathematik der 4. Primarklasse sind fünf Lektionen pro Woche vorgesehen. Entsprechend sollen pro Semester mindestens fünf bilanzierende Prüfungen stattfinden.

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Wenn ein Kind mit einer bestimmten Note nach Hause kommt, soll möglichst klar sein, wie diese zustande gekommen ist. (Symbolbild) - keystone

Die jeweilige Zahl der Lektionen ergibt sich aus der ebenfalls öffentlich zugänglichen Stundentafel im Reglement zum Schulgesetz. Die neue Vorgabe soll dafür sorgen, dass eine Zeugnisnote auf einer ausreichend breiten Grundlage beruht. Eine einzelne besonders gute oder schlechte Prüfung soll damit weniger Gewicht erhalten.

Mehr Orientierung für Familien

Für Eltern dürfte vor allem die grössere Transparenz bei Prüfungen und Zeugnisnoten von Bedeutung sein. Sie sollen besser nachvollziehen können, wie die Leistungen ihres Kindes beurteilt werden und worauf eine Zeugnisnote basiert.

Gleichzeitig erhalten auch Lehrpersonen klarere Rahmenbedingungen. Die kantonalen Vorgaben legen fest, welche Grundsätze bei der Beurteilung gelten, ohne den pädagogischen Handlungsspielraum vollständig aufzuheben.

Die Weiterentwicklung der Beurteilungsregeln ist damit ein Balanceakt: Einerseits soll die Bewertung vergleichbarer und transparenter werden, andererseits soll die Schule nicht auf ein reines Punktesystem reduziert werden.

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Lernen lässt sich nicht vollständig in Zahlen ausdrücken. Genau diesen ganzheitlichen Ansatz will der Bildungsrat beibehalten.

Beurteilung soll nicht nur darüber Auskunft geben, was ein Schüler oder eine Schülerin zu einem bestimmten Zeitpunkt leisten kann. Sie soll auch den weiteren Lernprozess unterstützen und bei der Einschätzung der Entwicklung helfen.

Regierungsrat Stephan Schleiss bringt die Stossrichtung der Reform auf einen kurzen Nenner: Die Beurteilung bleibe «ganzheitlich und anspruchsvoll». Die neuen Regeln sollen gleichzeitig für mehr Klarheit sorgen – sowohl im Klassenzimmer als auch zu Hause.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Zuger Woche» erschienen.

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