Zuger Musicaldarsteller: «Text auswendig lernen kann Wochen dauern»

Der Zuger Musicaldarsteller Simon Dubach steht regelmässig auf der Bühne. Im Interview spricht er über Pre-Show-Rituale und Tipps gegen Lampenfieber.

Das Wichtigste in Kürze
- Simon Dubach reist als Musicaldarsteller durch die Welt.
- Zuletzt stand der Zuger auch in seiner Heimatstadt auf der Bühne.
- Im Gespräch spricht Dubach über seinen zeitintensiven Beruf.
Kürzlich war «Mamma Mia!» in Zug zu sehen. Mit auf der Bühne stand der gebürtige Zuger Simon Dubach. Im Gespräch erzählt er von seinem Weg ins Musicalfach und seiner Leidenschaft für die Bühne.
Redaktion: Sie kommen ursprünglich aus Zug. Haben Sie hier früher auch schon auf der Bühne gespielt?
Simon Dubach: Tatsächlich sind meine ersten Bühnenerfahrungen mittlerweile 16 Jahre her. Dank des Engagements meines älteren Bruders, hatte ich damals das Glück mit der Musicalschule Voicesteps aus Cham in Kontakt zu kommen. Nach zwei Jahren Unterstützung des Vereins während Produktionen wie Grease&Footloose, wurde ich selbst ein aktiver Teil von Voicesteps.
In den sieben aktiven Jahren hatte ich das grosse Glück, Teil von 16 unterschiedlichen Produktionen zu sein. Dies waren von Musicalproduktionen bis hin zu Background Sänger Engagements im Hallenstadion in Zürich. Es war eine unglaublich prägende Zeit, an welche ich noch heute gerne zurückdenke.

Redaktion: Was hat Sie ursprünglich dazu bewegt, Musicaldarsteller zu werden?
Dubach: Wahrscheinlich war Voicesteps der prägendste Teil davon. Die Lebensfreude die von meinen Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne ausgestrahlt wurde, die Faszination, Menschen für 2.5 Stunden die Alltagssorgen vergessen lassen zu dürfen und in eine Welt entführen zu dürfen, wo jede und jeder einfach «sein kann» – was gibt es Schöneres?
Redaktion: Wie wählen Sie Ihre Rollen aus? Interessieren Sie sich eher für bestimmte Rollen oder Genres, oder versuchen Sie bewusst, immer wieder neue Dinge auszuprobieren?
Dubach: Ein «Auswählen» einer Rolle gibt es eigentlich nie. Für jede Produktion durchlaufen wir jeweils einen (meist) mehrstufigen Audition-Prozess, bei welchem das Kreativ-Team unsere Wesen, Auftreten und unser Können analysiert und eine Auswahl für die perfekte Besetzung trifft.
Natürlich ist es interessant, sich durch unterschiedliche Show-Typen durchzuprobieren. So war ich auch bereits mehrfach als Schauspieler auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Der ständige Wechsel von Charakteren, Musikstilen, Theatern und auch Casts & Kreativ-Teams ist es, was den Job unglaublich facettenreich macht.
Redaktion: Wie lange bereiten Sie sich normalerweise auf eine Rolle vor, bevor Sie damit auf der Bühne stehen?
Dubach: Das hängt jeweils ganz von der Grösse der Rolle ab. Als ich mich zum Beispiel für meine Schauspielrolle auf dem Kreuzfahrtschiff vorbereitete, sass ich vor einem 35-seitigen Skript, worin eigentlich nur Text für meine Rolle war. Zum 9-tägigen Probebeginn auf dem Schiff musste der komplette Text bereits perfekt sitzen.
Da kann man sich schon vorstellen, dass allein das Auswendiglernen bereits einige Tage bis Wochen in Anspruch nahm. Die finale Erarbeitung des Charakters geschah dann in Zusammenarbeit mit dem Regisseur auf dem Schiff, wo seine und meine Vorstellungen der Rolle verschmelzt wurden.
Redaktion: Haben Sie Tipps gegen Lampenfieber?
Dubach: Atmen! Kurz einatmen und lange ausatmen. Und dabei den Fokus auf sich selbst und die bevorstehende Aufgabe (Audition, Präsentation) richten.
Und wenn man bei einer Audition Lampenfieber hat, muss man sich auch manchmal einfach wieder daran erinnern, dass dies eine Möglichkeit zu performen ist. Ja, vielleicht vor sehr kleinem Publikum, aber eigentlich ist es ja genau das, was «wir» machen möchten.
Warum also den Moment und die Möglichkeit nicht einfach geniessen?
Redaktion: Haben Sie irgendwelche Pre-Show-Rituale oder etwas, das Sie vor jeder Vorstellung machen, um einen ruhigen Kopf zu bekommen?
Dubach: Ich versuche die passende Energie zur Show zu finden. Ist es eher eine ruhigere Show, dann habe ich gerne einige Minuten für mich selbst vor der Vorstellung. Ist es eine Gute-Laune-Show wie Mamma Mia, darf Backstage in der Ouvertüre auch mal mitgetanzt werden mit dem Team bevor sich der Vorhang öffnet.
Zudem ist mir ein sauberes Preset, also das Bereithalten der Kostüme und Requisiten, sehr wichtig, da während den Shows teilweise nur wenige Sekunden für einen Wechsel zur Verfügung stehen.
Ich gehe deshalb vor jeder Show einmal durchs ganze Theater und fasse z.B. jedes meiner Requisiten einmal an. Die Berührung/Haptik gibt mir eine Form von Ruhe und Bestätigung, dass ich für die Show bereit bin.
Redaktion: Wie gehen Sie mit Fehlern oder unerwarteten Situationen während einer Vorstellung um?
Dubach: Fehler passieren, uns allen. Wichtig ist es, nicht zurückzudenken, denn was passiert ist, ist passiert. Wir selbst sind unsere schlimmsten Kritikerinnen und Kritiker und meist sind wir die einzigen, welche die Fehler überhaupt bemerkt haben.
Aber wenn mal etwas schiefgeht, ist es unglaublich schön zu sehen, wie sehr das ganze Theater-Team sofort versucht, auf der Bühne wortlos und nur mittels Blickkontakten das Problem zu lösen, und jede und jeder sofort versteht, was die andere Person meint.
Solche Momente zeigen mir immer wieder, wie grossartig und engagiert einfach jedes einzelne Teammitglied ist und «dass es nur gemeinsam geht».

Redaktion: Was macht «Mamma Mia!» Ihrer Meinung nach zu einem Musical, das seit Jahren so viele Menschen begeistert?
Dubach: Abba hat mit ihrer Musik Generationen verbunden. Es ist zeitlose Musik, welche noch heute omnipräsent ist, selbst auf Social Media bei der jüngsten Generation. Neben dem, dass Mamma Mia einfach grandios geschrieben ist, bietet die Show dem Publikum eine Möglichkeit, in Erinnerungen zu schwelgen mit Melodien, welche wahrscheinlich nie vergessen werden.
Redaktion: Was ist Ihre Lieblingsszene beziehungsweise Ihr Lieblingslied in «Mamma Mia!»?
Dubach: Definitiv das Lied «Weis dy Mueter das?», auf Englisch «Does Your Mother Know». Es überzeugt mit Witz, grandiosen Tanzeinlagen und bringt das Publikum immer direkt völlig aus dem Häuschen. Es ist für jede Person auf der Bühne eine totale «Rampensau»-Nummer, wo man einfach nur Gas geben und Spass haben kann.
Redaktion: Welchen Rat würden Sie jungen Künstlerinnen und Künstlern aus Zug mitgeben, die heute am Anfang ihrer Karriere stehen?
Dubach: Full on, always! Wenn der Traum besteht, wartet nicht! Ganz nach dem Motto «Die Magie passiert ausserhalb deiner Komfortzone!».
Zur Person
Der gebürtige Zuger Simon Dubach entschied sich nach diversen Produktionen mit VoiceSteps, seine professionelle Ausbildung in Deutschland zu absolvieren. Bereits in seinem ersten Jahr, wurde er für «Fame» in Hamburg engagiert und spielte nach seinen Unterrichtsstunden am Theater FirstStage über mehrere Monate hinweg.
Bereits während des zweiten Ausbildungsjahres, war er Teil des Ensembles, welches in Zusammenarbeit mit dem Theater «Chat Noir» Aufführungen in Oslo und Hamburg durchführte. Nach seiner Ausbildung verkörperte er die Rolle von Kurt im Musical «Oh Läck Du Mir!» am Theater 11 in Zürich.
Es folgten mehrere Engagements auf den Kreuzfahrtschiffen von AIDA Cruises als Professor Tempus in der Showreihe der «Time Machine». Kurz darauf, zog es ihn nach London, wo er während einem Jahr eine Weiterbildung absolvierte.
Während dieser Zeit war er Teil der Produktionen «The Murder of Roger Ackroyd» als Hercule Poirot, «Alice By Heart» als Jabberwock, «Dr. Butridge & King of Hearts» sowie als Solist beim Cabaret «The Magic of Miller» am Toulouse Lautrec in London. Nach seiner Ausbildung zog es ihn nochmals zu AIDA Cruises, bis er Teil von «Mamma Mia!» wurde.
Dieses Interview ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.





