Luzern: Drei neue Ehrendoktorate am Dies Academicus

Die Universität Luzern hat am 22. Oktober ihren akademischen Feiertag gefeiert – mit einer Festrede zur künstlichen Intelligenz und drei Ehrendoktoraten.

Die Universität Luzern hat am 22. Oktober ihren akademischen Feiertag begangen. Im Zentrum des Festakts standen die Festrede sowie die Ehrungen durch die Universität und die Fakultäten.
Rektor Martin Hartmann begrüsste die Gäste aus Wissenschaft, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kirche und Armee und sprach in seiner Einleitung drei zentrale Themen an: die langfristige Entwicklung der Universität, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und den Umgang mit Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Unter anderem sagte er mit Blick auf die weitere strategische Ausrichtung, dass noch weiter geschärft werden solle, was man darunter verstehe, eine auf Humanwissenschaften spezialisierte Universität zu sein, da sich der Begriff hierzulande noch nicht komplett etabliert habe. Auch gelte es, in einzelnen Bereichen behutsam zu internationalisieren.
Zentral sei zudem angesichts des weiteren Wachstums, den persönlichen Charakter der Universität zu wahren: «Das gute Betreuungsverhältnis ist eine unserer grössten Stärken, das dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.»
Mit der laufenden Nachwuchsförderungsstrategie wolle man insbesondere für Postdocs verlässliche und transparente Rahmenbedingungen sowie Entwicklungsperspektiven schaffen. Was die Digitalisierung anbelangt, entwickle die Universität gemeinsam mit den anderen Hochschulen auf dem Platz Luzern eine Strategie. Die Vision sei, einen digitalen Hochschulcampus zu schaffen, der zu einem vernetzten Bildungs-, Forschungs- und Innovationsraum werde.
Mit Blick auf die künstliche Intelligenz betonte der Rektor die Bedeutung wissenschaftlicher Nachvollziehbarkeit: Wenn das Zustandekommen von KI-Ergebnissen nicht verstanden werde und diese Ergebnisse nur reproduziert würden, gerate ein wesentliches Merkmal guter Wissenschaft in Gefahr.
Kompetenzorientierte KI-Nutzung
Die Festrede hielt Ass.-Prof. Dr. Helen Wyler, Assistenzprofessorin für Rechtspsychologie, zum Thema «Kompetenzentwicklung in Zeiten generativer KI. Eine kognitionspsychologische Perspektive». Sie zeigte anhand von Forschungsergebnissen auf, dass Expertise nicht einfach durch Zeit oder durch zur Verfügung gestelltes Wissen aufgebaut wird, sondern durch aktive Lernprozesse. «Kompetenzaufbau entsteht durch eigene kognitive Arbeit. Daran ändert auch KI nichts», betonte sie.
Der Einsatz von KI könne zwar die Leistung verbessern, allerdings würden die eigenständigen Kompetenzen nicht in gleichem Masse zunehmen. Es könne sogar das Gegenteil eintreten: Wyler sprach in diesem Zusammenhang von einem «Leistungs-Kompetenz-Gap». Entscheidend sei deshalb nicht, ob KI eingesetzt werde oder nicht, sondern ob Lernende dabei weiterhin selbst die für den Lernprozess wichtigen Denkschritte vollzögen.
Der Aufbau fachlicher Kompetenzen bleibe somit auch im Zeitalter generativer KI eine zentrale Aufgabe universitärer Bildung. Während sich die Technologie rasant verändere, würden die grundlegenden Prinzipien menschlichen Lernens bestehen bleiben. Eine kognitionspsychologische Perspektive könne deshalb Orientierung für den Umgang mit KI in der Lehre bieten.
Als humanwissenschaftliche Universität müsse Luzern den Menschen ins Zentrum stellen und die Studierenden darin unterstützen, fundierte fachliche Kompetenzen sowie eigenständiges Denken und Urteilsvermögen zu entwickeln, um dadurch auch die Grundlage zu haben, KI in ihrem Fachbereich im Studium und danach kompetent und verantwortungsvoll nutzen zu können.
Bedeutsame Denkanstösse
Regierungspräsident Armin Hartmann, Bildungs- und Kulturdirektor des Kantons Luzern und Universitätsratspräsident, konnte krankheitshalber nicht teilnehmen. Er wurde von Ylfete Fanaj, Vizepräsidentin des Regierungsrats und Vorsteherin des Justiz- und Sicherheitsdepartementes, vertreten, die sein Schlusswort verlas. In diesem ging es um die Frage, was die Universität seit ihrer Gründung in Luzern verändert hat und wie sie das Denken im Kanton heute beeinflusst.
Seit den 1990ern habe Luzern sein Denken verändert – das Verständnis davon, was es sein wolle und sein könne, und davon, was an diesem Standort alles möglich sei. Dieser Wandel habe die Gründung der Universität ermöglicht. Gleichzeitig habe die Dynamik der Universität Luzern und des Bildungsstandorts Luzern diesen Prozess, wenn nicht initiiert, so doch zumindest gefördert.
Heute habe die Universität «mehr denn je die Rolle, Denkanstösse zu geben, oder gar das Denken in unserem Kanton zu beeinflussen».
Im Format «In the Spotlight» sprach Prof. Dr. Karin Stadelmann, Leiterin des Kompetenzzentrums Erziehung, Bildung und Betreuung über die Lebensalter (EBBL) an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit, Präsidentin der Kommission für Erziehung, Bildung und Kultur (EBKK) sowie Kantonsrätin und kantonale Parteipräsidentin. Sie plädierte dafür, die teilweise geltend gemachte Kluft zwischen Wissenschaft und Politik zu überwinden.
Im Grusswort aus den Luzerner Gymnasien betonte Marco Stössel, Rektor der Kantonsschule Beromünster, wie wichtig es ist, dass Gymnasium und Universität im Dialog stehen. Beide sollen voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung für eine gute Bildung übernehmen.
Drei neue Ehrendoktorate
Im Rahmen der Ehrungen und Auszeichnungen erhielten Prof. Dr. Stephan Meier, Prof. Dr. med. Susanne Walitza und Prof. Dr. Joseph Ciarrochi die Ehrendoktorwürde. Ass.-Prof. Dr. Diego Langenegger, Assistenzprofessor für Strafrecht und Strafprozessrecht, durfte den «Best Teaching Award» in Empfang nehmen. Der Universitätsverein verlieh seine Dissertationspreise an Severin Schnurrenberger, Sahra Lobina, Tim Meier, Lucas Nann und Enxhi Qama.
Mit dem von der ALUMNI Organisation vergebenen Preis «Alumna des Jahres» wurde die Juristin und Rechtsanwältin Christa Preisig ausgezeichnet. Sie ist seit 2024 Richterin am Bundesverwaltungsgericht und war von 2020 bis 2023 Juristin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR).
Im Anschluss an die Ehrungen präsentierten die Doktorierenden Werner Risi, Sophie Küsterling und Ofelia Safarian ihre Forschungsprojekte.
Für die musikalische Rahmung des Anlasses sorgte die Sängerin HANNAH.






