Schwyz: Führung zum Übertourismus in der Tourismus-Ausstellung

Schweizerisches Nationalmuseum
Schweizerisches Nationalmuseum

Schwyz,

Am Sonntag, 20. September 2026, führt Tourismusforscher Florian Eggli durch die Tourismus-Ausstellung in Schwyz und spricht über Übertourismus.

Schwyz
Das Museum Ital Reding-Hofstatt in Schwyz (Symbolbild) - Nau.ch / Stephanie van de Wiel

Warteschlangen vor Sehenswürdigkeiten und Bergdörfer, die von Influencern überschwemmt werden. In der Ausstellung «Tourismus. Reiseziel Schweiz» im Forum Schweizer Geschichte wird auch der «Übertourismus» thematisiert. In einer Expertenführung am 20. September 2026 zeigt Florian Eggli, Leiter des Instituts für Tourismus und Mobilität ITM, Hochschule Luzern, die guten und die negativen Seiten des Fremdenverkehrs.

Herr Eggli, hat die Schweiz generell ein Problem mit Übertourismus? Oder betrifft das nur einzelne Hotspots?

Florian Eggli: Das lässt sich nicht eindeutig sagen, weil es nicht objektiv messbar ist. Die Schweiz als Ganzes hat bestimmt kein Übertourismusproblem. Es gibt aber eben auch keine klare Belastungsgrenze mit Kennzahlen.

Übertourismus ist nämlich sehr subjektiv – je nachdem, wie belastet sich ein Mensch vom Tourismus fühlt.

Es lässt sich also keine klare Diagnose stellen?

Nein. Es ist keine Frage des Verhältnisses im Sinne von: Ab so und so vielen Touristen pro Quadratmeter im Vergleich zu den Einheimischen spricht man von Übertourismus. Vielmehr hat es damit zu tun, welche Art Touristinnen und Touristen das sind: Woher sie kommen, wie sehr sie auffallen und wie gross der Unterschied zur Bevölkerung ist in Sachen Verhalten und Kultur.

Es kann darum gut sein, dass gewisse Besucherinnen und Besucher im Empfinden der Einheimischen gar nicht als Touristinnen oder Touristen gelten und stören. Und andere, die zahlenmässig gar nicht so überlegen sind, durch ihr Verhalten aber auffallen und ein Gefühl von «fremd» vermitteln.

Wer verursacht Übertourismus? Woher kommen diese Gäste?

Die Hälfte der Übernachtungsgäste in der Schweiz sind ja Inländische. Jetzt kommt es eben darauf an, wie man Übertourismus definiert: Wenn man sagt, es hat mit langen Warteschlangen vor einer Attraktion wie etwa dem Löwendenkmal in Luzern zu tun, dann ist es egal, aus welchem Land die Gäste kommen. Wenn man Übertourismus aber so definiert, dass es eine Entfremdung ist von mir Bekanntem und meinem kulturellen Verständnis, dann ist es natürlich schon so, dass jene Gäste, die von sehr weit weg kommen, tendenziell eher zum Übertourismus-Gefühl beitragen.

Was können betroffene Regionen unternehmen?

Wir haben im Auftrag von Schweiz Tourismus und der Regional Tourism Alliance eine «Toolbox» erarbeitet. Die wichtigsten Punkte hierbei sind: Zuerst einmal genau hinschauen, wo den Einheimischen der Schuh drückt. Ist es die Anzahl der Touristinnen und Touristen oder ihr Verhalten und was für ein Verhalten an welchen Orten?

Dann soll man gemeinsam Massnahmen ableiten, alle Leute einbinden, die betroffen sind. Zudem versucht man, den Tourismusnutzen für die Bevölkerung zu steigern und sichtbarer zu machen, etwa was die Infrastruktur angeht, die Belebung vor Ort, den kulturellen Austausch, oder die Einheimischen besser in die touristischen Produkte zu integrieren. Tourismus kann viele positive Effekte haben, wenn er gut ist und die Einheimischen mitprofitieren – das geht in den Diskussionen leider oftmals etwas unter.

Am Sonntag, 20. September, referieren Sie zu eben diesem Thema im Forum Schweizer Geschichte in Schwyz. Was erwartet die Gäste?

Wir gehen zusammen durch die Ausstellung, thematisieren im Speziellen den Übertourismus und hinterfragen dabei auch, wie wir denn selbst reisen und uns als Touristen verhalten. Womöglich sind wir mit uns ja grosszügiger als mit unseren Gästen.

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