Anja Zeidler verlangt jetzt Anzahlung von Kunden

Aufgebrezelt und bereit – doch dann kommt niemand. Anja Zeidler ärgert sich auf Instagram über eine Kundin, die ihren Umstyling-Termin kurzfristig absagt.

Das Wichtigste in Kürze
- Anja Zeidler ärgert sich, weil eine Kundin nicht zu ihrem Umstyling-Termin erschienen ist.
- Sie fordert mehr Respekt gegenüber Selbstständigen, die durch verpasste Termine Zeit und Geld verlieren.
- Ihr Rat an andere Unternehmer: Klare Bedingungen festlegen und sich mit Anzahlungen absichern.
- Auch der Schweizerische Coiffeurverband warnt hierbei vor «wirtschaftlichen Auswirkungen».
«Geputzt und gestrählt» aber auch «bestellt und nicht abgeholt.»
Anja Zeidler (32) hat sich für einen Termin in ihrer frisch lancierten «Selflove Factory» extra in Schale geworfen. Outfit gebügelt, Haare gestylt, Make-up sitzt. Doch aus dem geplanten Umstyling, das eine Kundin gebucht hat, wird nichts.
Denn die Kundin taucht einfach nicht auf!
Der Termin wäre am Montagmorgen um 9.30 Uhr in der Stadt Luzern gewesen.
Kurz nach 10 Uhr reicht es der Influencerin: In ihrer Instagram-Story erzählt sie von ihrem Ärger. Und der ist durchaus verständlich. Schliesslich stecken hinter jedem Termin Zeit, Vorbereitung und auch Unkosten.
Anja Zeidler: «Gegenseite wartet auf euch»
Erst vor wenigen Tagen hat Zeidler ihr neues Business auf Instagram vorgestellt. In der «Selflove Factory» bietet sie persönliche Umstylings an.
Diese dauern vier bis acht Stunden. Kostenpunkt: 130 Franken pro Stunde.
Doch kaum ist das Projekt lanciert, zeigt sich eine unschöne Seite des Unternehmerinnen-Alltags: Kundinnen, die Termine vereinbaren – und dann einfach nicht erscheinen.
Für Zeidler ist klar: Wer einen Termin bucht, soll auch vor Ort auftauchen.
«Wir hatten wahrscheinlich alle schon mal die Situation, dass wir als Kundin nicht an einen Termin gehen konnten», räumt sie ein. Doch dabei dürfe man nicht vergessen, dass auf der anderen Seite jemand wartet.

Zum Vergleich zieht sie Arzttermine heran: Wer dort kurzfristig absage oder einfach nicht auftauche, müsse unter Umständen trotzdem zahlen. «Da habt ihr nicht mal die Chance auf eine Erklärung. Da kommt einfach die Rechnung», sagt sie.
In der Beauty-Branche fehle dagegen oft das Verständnis dafür, dass ein verpasster Termin für Selbstständige nicht einfach nur ärgerlich ist. Sondern auch einen finanziellen Verlust bedeuten kann.
Coiffeurverband warnt vor finanziellen Einbussen
Auch der Verband Schweizer Coiffeurgeschäfte, Coiffure Suisse, betont die von Zeidler angesprochene Konsequenz. «Solche Situationen können für Coiffeursalons wirtschaftliche Auswirkungen haben, insbesondere wenn die frei gewordenen Termine nicht anderweitig vergeben werden können», heisst es auf Anfrage von Nau.ch.

Zeidler setzt deshalb auf klare Regeln. Wer bei ihr einen Termin bucht, erhält mit der Bestätigung gleich die entsprechenden Bedingungen.
Auf ihrer Webseite schreibt die gelernte Coiffeuse klar, was das heisst: Wer einen Termin fix reservieren will, muss eine Anzahlung von 100 Franken machen. Bei Haar-Extensions sind es wegen Materialbestellungen sogar 250 Franken. Wer weniger als 24 Stunden vor dem Termin absagt, kriegt die Anzahlung nicht zurück.
Ihr Rat an andere Unternehmerinnen und Unternehmer ist deshalb: «Sichert euch ab!»
Denn natürlich weiss auch die Influencerin, dass das Leben manchmal dazwischenkommt. Ihre kleine Tochter sei auch schon krank geworden, weshalb Anja einen Termin nicht wahrnehmen konnte.
In solchen Situationen sei man als Kundin im ersten Moment vielleicht «hässig», wenn man den verpassten Termin bezahlen müsse. Trotzdem müsse man Verständnis für die andere Seite aufbringen.
Individueller Umgang mit verpassten Terminen
Coiffure Suisse erklärt, dass der Umgang mit Terminen von den jeweiligen Gegebenheiten und Bedürfnissen der einzelnen Betriebe abhängig sei. Dazu zählen etwa die Einführung von Anzahlungen oder anderen Massnahmen zur Reduzierung von No-Shows. No-Shows sind Kunden, die einen Termin reservieren, aber dann nicht auftauchen.
«Für Coiffure Suisse ist es wichtig, dass jeder Betrieb eine Vorgehensweise wählen kann, die seiner Situation und seiner Kundschaft entspricht», betont der Verband.

Ob kranke Kinder, ein krankes Haustier oder ein verpasster Bus: Nicht alles lässt sich planen. Aber genauso wenig könne man erwarten, dass Selbstständige die Konsequenzen einfach schlucken, meint Anja Zeidler.
Ein Gespräch, eine faire Lösung oder ein Kompromiss seien schliesslich immer möglich. Menschlichkeit gehe in beide Richtungen.
Und dann wäre da noch der wohl ärgerlichste Teil der Geschichte: Die Luzernerin hat sich für den Termin extra herausgeputzt. «Wow, habe ich mich schön gestylt», erzählt sie. Das Outfit wurde sogar gebügelt. Haare, Make-up, Styling – alles bereit. Nur die Kundin fehlt.












