Obwalden

Bereits deutlich vor Unfall überschritten Böen die kritische Marke

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Obwalden,

Schon Stunden vor dem Absturz überschritten die Böen die kritischen Geschwindigkeiten. Weshalb die Gondel dennoch weiterlief, ist unklar.

titlis
Am Mittwoch kam es am Titlis zu einem Seilbahnabsturz. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wind wird als wahrscheinliche Ursache für den Gondel-Absturz angesehen.
  • Andere Skigebiete in der Region stellten schon zuvor den Betrieb ein.
  • Unklar ist, ob und wann bei der Titlisbahn der Alarm ausgelöst worden war.

Am Mittwoch stürzte am Titlis eine Gondel ab, eine 61-jährige Frau starb dabei. Wie das passieren konnte, ist Gegenstand von Untersuchungen. Es wird vermutet, dass der Wind eine wichtige Rolle gespielt hat.

Doch das führt zur Frage: Warum wurde der Betrieb der Gondel nicht schon früher eingestellt?

Arno Inauen, CEO des Seilbahnherstellers Garaventa, teilt mit: «Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschten starke, böige Winde. Nach aktuellem Kenntnisstand wurde das Fahrzeug durch eine unerwartet kräftige Böe so stark ausgelenkt, dass es mit einer Stütze kollidierte. In der Folge wurde es vom Seil gerissen.»

In der Tat war es am Mittwoch in der Region sehr windig. Laut Meteo Schweiz wurden auf dem Titlis Böen von bis zu 100 Stundenkilometern gemessen. Die Rede war von einem «kurzen, aber starken Föhnereignis» am Mittwochmorgen.

Wie «CH-Media» berichtet, misst das Institut für Schnee- und Lawinenforschung auf dem Titlisboden auf 2149 Meter über Meer die Windgeschwindigkeiten. Bereits am Mittwochmorgen wurden Durchschnittswerte zwischen 20 und 40 Stundenkilometer gemessen, einige Windspitzen erreichten über 60 Stundenkilometer. Der Wind wurde stärker und erreichte die Höchstgeschwindigkeit von 96 km/h um 11.30 Uhr – 30 Minuten nach dem Gondel-Absturz.

Stopp der Gondel erfolgt nicht automatisch

Bei der Gondelbahn Titlis Xpress wird bei Windgeschwindigkeiten von 40 Stundenkilometer ein Alarm ausgelöst. Bei 60 km/h gibt es eine Windwarnung und die Anlage muss gestoppt werden. Doch weshalb geschah das nicht?

Patrick Müller vom Bundesamt für Verkehr erklärt: Eine Windböe über den kritischen Werten löse die Warnung oder den Alarm aus. Es gebe dann in der Berg- und Talstation ein akustisches und ein optisches Signal. Dieses bleibe bestehen, bis es aktiv abgestellt werde.

Der Alarm und die Warnung beeinflussten den Betrieb der Gondel nicht automatisch. Der Betreiber müsse feststellen, ob eine einmalige Böe das Signal aktiviert habe oder ob ein Trend vorliege. «Und dann muss er entsprechend handeln.»

Kurz vor Absturz begann das Abhängen der Gondeln

Am Titlis wurde das auch getan: Verwaltungsratspräsident Hans Wicki erklärt im «Blick», dass der Unfall geschah, während die Mitarbeitenden die Kabinen abhängten. Es wurde also kurz zuvor entschieden, den Betrieb wegen des Windes einzustellen.

Auch nach dem Entscheid muss die Bahn jeweils noch einige Zeit weiterlaufen, wie «CH-Media» berichtet. Denn es muss sichergestellt werden, dass alle Passagiere ausgeladen werden können. Zudem müssen Fussgänger noch ins Tal befördert werden.

Fühlst du dich in Gondeln in der Schweiz sicher?

Beim Titlis Xpress wurde der Entscheid, den Betrieb einzustellen, also um circa 11 Uhr gefasst. Bei anderen Skigebieten in der Region jedoch schon deutlich früher. Meiringen-Hasliberg liess ab 9.30 Uhr keine Gäste mehr in die Gondelbahn Mägisalp-Alpentower, später wurden zwei weitere Sessellifte abgestellt. Auch Melchsee-Frutt stellte zwischen 10 und 12 Uhr den Betrieb in höheren Lagen ein.

Die Brunni-Bahnen auf der anderen Seite von Engelberg OW stellten den Betrieb ebenfalls am Mittwochvormittag ein. Der Entscheid war gemäss «CH-Media» gefallen, bevor die Leitung vom Unglück am Titlis erfuhr.

Folglich liegt der Verdacht nahe, dass die Verantwortlichen der Titlis-Bahn den Betrieb zu spät einstellen liessen. CEO Norbert Pratt konnte am Mittwoch nicht sagen, ob und wann der Windalarm ausgelöst worden ist.

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