«In Zug kommt vieles zusammen, was zu Ferrari passt»

Ferrari hat in Sihlbrugg einen neuen Standort eröffnet. Giacomo Sapienza spricht über die Präsenz der Marke in der Schweiz.

Ferrari hat im Mai in Sihlbrugg den neuen Standort von Kessel Auto Zug AG eröffnet. Die Eröffnung markiert einen weiteren Schritt in der Entwicklung der Präsenz der Marke in der Schweiz.
Giacomo Sapienza, General Manager von Kessel, gibt Auskunft.
Redaktion: Kessel hat nun mit Baar einen wichtigen Standort in der Deutschschweiz. Was hat Sie an Zug gereizt – und warum ist dieser Schritt gerade jetzt richtig?
Giacomo Sapienza: Wir sind bereits seit 2018 in Zug und hatten damals die Ferrari Vertretung von Pierre Sudan übernommen. Zug ist für uns ein sehr spannender Standort, weil hier vieles zusammenkommt, was auch zu Ferrari passt: Unternehmertum, Internationalität, eine hohe wirtschaftliche Dynamik und gleichzeitig eine sehr hohe Lebensqualität.
Wir haben festgestellt, dass viele unserer Kundinnen und Kunden bereits einen starken Bezug zur Region haben. Baar/Sihlbrugg als unser neues zu Hause zu realisieren ist deshalb nicht einfach ein weiterer Standort auf der Landkarte. Wir wollen näher bei unseren Kunden sein und ihnen die Möglichkeit geben, Ferrari in einem Umfeld zu erleben, das zu ihnen passt.

Der Zeitpunkt ist richtig, weil wir überzeugt sind, dass die Region langfristig enormes Potenzial hat und ganz nach dem Motto «ein Ferrari ist für immer» wollen wir mit unserem eigenen zu Hause/Gebäude das Gleiche tun für immer für unsere Kunden da sein.
Redaktion: Ein Ferrari ist für die meisten Menschen kein Auto, das man einfach beim Vorbeifahren kauft. Wie läuft ein Verkauf eigentlich ab – und was suchen Ihre Kundinnen und Kunden neben einem schönen Auto?
Sapienza: Ein Ferrari-Kauf beginnt selten mit der Frage: «Welches Auto soll es sein?» Viel wichtiger ist zunächst: Was erwartet der Kunde von seinem Ferrari? Für manche ist es die Erfüllung eines Kindheitstraums, für andere der Einstieg in eine ganz besondere Welt des Automobils, bzw. in eine exklusive Community einzutreten nämlich in die Ferrari-Familie.
Wir versuchen deshalb zuerst zuzuhören und zu verstehen, was jemand sucht. Erst danach geht es um Modell, Konfiguration und Ausstattung. Und natürlich spielt auch das Erlebnis eine grosse Rolle.
Ein Ferrari soll nicht einfach gekauft, sondern erlebt werden – von der ersten Begegnung bis zu dem Moment, in dem man das Auto zum ersten Mal nach Hause fährt. Diese Freude kann man dann in den verschiedenen Programmen und Events, die Ferrari bietet, mit seinesgleichen teilen.
Redaktion: Der Kanton Zug ist klein, aber wirtschaftlich sehr international geprägt. Spüren Sie das bei Ihrer Kundschaft? Wer sitzt tatsächlich in einem Ferrari aus Baar?
Sapienza: Unsere Kundschaft ist sehr international und gleichzeitig sehr unterschiedlich. Wir haben Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte, Menschen aus der Finanz- und Technologiebranche, aber auch langjährige Ferrari-Enthusiasten.
Gerade das Einzigartige und individuell auf den Kunden Zugeschnittene macht für unsere Kunden den besonderen Reiz aus: Mit den verschiedenen Ferrari-Personalisierungsprogrammen «Atelier», «Tailor Made» und «One-Off» entsteht etwas Einzigartiges, Seltenes und ganz Persönliches.
Denn: «Es gibt einen Ferrari für jeden Ferrarista.» Was viele überrascht: Es gibt nicht den typischen Ferrari-Kunden. Alter, Beruf oder Herkunft sind weniger entscheidend, als man vielleicht denkt. Was viele verbindet, ist eine grosse Leidenschaft für besondere Automobile und ein hoher Anspruch an Qualität und Individualität.
Redaktion: Wie muss man sich Ihren Arbeitsalltag als General Manager vorstellen: Beginnt der Tag mit Verkaufszahlen und Sitzungen – oder stehen Sie morgens auch mal vor einem Ferrari und denken einfach: «Wow»?
Sapienza: Natürlich gehören Verkaufszahlen, Strategie, Mitarbeiterführung und viele Sitzungen zu meinem Alltag. Aber Ferrari ist zum Glück keine Marke, die man nur in Excel-Tabellen führen kann. Und ja – es kommt definitiv vor, dass ich morgens durch den Showroom gehe, einen Ferrari sehe und mir denke: «Wow.»
Ich glaube, diese Begeisterung darf man sich auch als General Manager bewahren. Wenn sie irgendwann verloren geht, wird es schwierig, eine Marke wie Ferrari glaubwürdig zu vertreten.

Redaktion: Ferrari ist bekannt für seine strengen Vorstellungen davon, wie die Marke präsentiert und erlebt werden soll. Wie viel Freiheit haben Sie als Händler eigentlich – und wo sagt Maranello ganz klar: Das machen wir so?
Sapienza: Ferrari ist eine Marke mit einer sehr klaren Identität. Das ist einerseits anspruchsvoll, andererseits auch eine grosse Stärke. Es gibt klare Vorgaben, wie die Marke präsentiert wird, wie der Kunde sie erlebt und welche Qualitätsstandards gelten.
Innerhalb dieses Rahmens haben wir aber durchaus Gestaltungsspielraum – insbesondere darin, wie wir unsere Kunden betreuen und wie wir Beziehungen aufbauen. Die Marke gibt uns den Rahmen, aber das Erlebnis vor Ort wird von unseren Mitarbeitenden geprägt. Die Mitarbeitenden sind ein grosser Mehrwert bei Kessel.
Innerhalb der grossen Ferrari-Familie gibt es eine kleinere Kessel-Familie. In dieser Gemeinschaft leben wir und bieten besondere Erlebnisse an. Dabei lassen wir uns von den Werten inspirieren, die wir mit Ferrari teilen, bringen jedoch gleichzeitig unseren eigenen persönlichen Stil ein, der auf unserer langen Unternehmensgeschichte beruht.
Redaktion: Was unterschätzen Menschen, die Ferrari nur von aussen kennen? Gibt es etwas hinter den Kulissen, das selbst eingefleischte Autofans überraschen würde?
Sapienza: Viele sehen zunächst das Auto – und natürlich ist das auch der offensichtlichste Teil. Was man von aussen weniger sieht, ist, wie viel Detailarbeit und Leidenschaft hinter jedem einzelnen Fahrzeug und hinter der gesamten Kundenbeziehung steckt. Ferrari ist nicht einfach ein Hersteller von Sportwagen.

Dahinter steht eine enorme Historie, eine sehr spezielle Unternehmenskultur und eine Community von Menschen, die sich teilweise seit Jahrzehnten mit der Marke beschäftigen. Was mich persönlich immer wieder beeindruckt, ist diese Mischung aus Tradition und Innovation. Ferrari versucht nicht, seine Vergangenheit zu kopieren, sondern sie in die Zukunft mitzunehmen und das versuchen wir auch als Kessel zu leben.
Redaktion: Und etwas persönlicher: Welcher Ferrari ist Ihr persönlicher Favorit – und gibt es ein Modell, bei dem Sie sagen würden: Den würde ich auch dann fahren, wenn ich morgen nicht mehr General Manager wäre?
Sapienza: Das ist eine gefährliche Frage, weil man bei Ferrari eigentlich ständig seine Meinung ändern kann. [lacht] Ich habe natürlich Modelle, die mir besonders gefallen. Aber mein persönlicher Favorit ist wahrscheinlich der Ferrari, der gerade vor mir steht und mich in diesem Moment begeistert. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich sagen: der Ferrari Enzo.
Dazumal ein Formel 1 mit Strassenzulassung (F1 Technik). Er war eine Homage von Montezemolo an Enzo Ferrari darum der Name, dazu kommt noch, dass Schumi am Projekt mitgewirkt hat. Enzo Ferrari hat auf die Frage, welcher Ferrari der beste ist folgendes geantwortet: «Der beste Ferrari ist der, der noch gebaut werden muss».
Redaktion: Der neue Standort in Baar ist ein ziemlich grosses Bekenntnis zur Region. Was muss passieren, damit Sie in fünf Jahren sagen: «Das war eine der besten Entscheidungen, die wir als Kessel getroffen haben?»
Sapienza: Ich würde Erfolg nicht allein an Verkaufszahlen messen. Natürlich müssen die wirtschaftlichen Ziele stimmen. Aber für mich wäre es genauso wichtig, dass wir in fünf Jahren sagen können: Wir sind ein fester Bestandteil der Region geworden.
Ich möchte, dass unsere Kunden gerne nach Baar kommen – nicht nur, wenn sie ein Auto kaufen wollen, sondern weil sie sich hier wohlfühlen und die Marke erleben können. Und ich möchte, dass unsere Mitarbeitenden stolz darauf sind, hier zu arbeiten.
Wenn wir in fünf Jahren eine starke Ferrari-Community rund um Baar aufgebaut haben und unsere Kunden sagen «Kessel das ist mein Ferrari-Partner», dann haben wir sehr viel richtig gemacht.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.




