Luzerner Polizei legt Journalist an Klima-Demo in Handschellen

Nico Leuthold
Nico Leuthold, Nicola Wittwer

Kriens,

Schock für einen Journalisten: An einer Klima-Demo in Kriens LU wird er verhaftet und später angezeigt. Er habe nur seinen Job gemacht, sagt er.

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Die Luzerner Polizei legt einem Journalisten Handschellen an – Sie wollte ihm verbieten, zu fotografieren, wie er sagt. - Nau.ch/Nico Leuthold

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Luzerner Polizei legte einem Journalisten bei einem Protest Handschellen an.
  • Raimond Lüppken wurde zudem angezeigt – wegen Hinderung einer Amtshandlung.
  • Gegenüber Nau.ch sprechen er und der Journalistenverband Impressum über den Vorfall.

Letzten Donnerstag kam es bei einer Tankstelle im luzernischen Kriens zu einem Klima-Protest einiger weniger Personen. In seiner Funktion vor Ort war auch der Journalist und Fotograf Raimond Lüppken.

Doch: Der Deutsche, der für eine Agentur fotografierte, wurde beim Protest in Handschellen gelegt und später wegen Hinderung einer Amtshandlung angezeigt.

Journalist: «Schock und Verwunderung»

Mit Nau.ch hat Lüppken über den Vorfall vom vergangenen Donnerstag gesprochen (Video oben). Lüppken stellt klar: «Ich hatte nur meine Kamera und meinen Job gemacht.»

Die Polizei sei auf ihn zugekommen und habe gesagt, man dürfe nicht fotografieren. «Ich sagte: ‹Ich bin Journalist und kenne die Rechtslage – natürlich darf ich das.› Ich habe versucht, ein Gespräch aufzubauen, was nicht möglich war.»

Stunden nach dem Vorfall seien bei ihm «der Schock und die Verwunderung über das Geschehene» aufgekommen. Für weitere Demonstrationen habe er aber «keine Angst oder Befürchtungen», so Lüppken.

Journalistenverband: «Noch nie erlebt»

Überraschung über das Vorgehen der Polizei gibt es nicht nur bei Lüppken, sondern auch beim Journalistenverband Impressum.

«Das habe ich jetzt wirklich noch nie erlebt», sagt Co-Geschäftsleiter und Rechtsanwalt Michael Burkard im Gespräch mit Nau.ch.

Während Corona-Zeiten habe man gespürt, dass in einigen Polizeikorps «eine gewisse Nervosität» vorhanden sei, gerade in Bezug auf Demonstrationen. «Aber dass man jemanden in Handschellen legt, der gar nichts macht und einfach nur filmt ... das ist doch etwas Spezielles.»

Hast du schon mal an einem Protest teilgenommen?

Der Journalistenverband zieht infolge des Vorfalls zwei Konsequenzen. So erstatte man Anzeige, um eine Erklärung zu erhalten, «was dort passiert ist», sagt Burkard.

Zudem wolle man den Dialog verstärken. Mit der Luzerner Polizei und «allen Korps, die ja alle mit Journalisten in Berührung kommen».

Polizei spricht von Hinderung einer Amtshandlung

Die Kantonspolizei Luzern begründet die Handschellen-Massnahme mit Hinderung einer Amtshandlung.

Mediensprecher Yanik Probst sagt: Zwei Personen seien zwischenzeitlich Handschellen angelegt worden, «weil sie sich nicht an die Anweisungen gehalten haben».

Laut der Medienmitteilung zum Vorfall war zuvor die Meldung eingegangen, dass Aktivisten an der Tankstelle Kunden behindern und filmen.

Tankstelle Kriens 3
Nach Erledigung der Formalitäten wurden alle acht Personen weggewiesen. - Instagram/@actnow_ch

Die Aktivisten hätten dann teilweise passiven Widerstand geleistet und von den Tanksäulen weggetragen werden müssen.

Anschliessend wurden sie kontrolliert. «Nach Erledigung der Formalitäten wurden alle acht Personen formlos weggewiesen und vor Ort entlassen.»

Neben Journalist Raimond Lüppken wurde eine zweite Person bei der Staatsanwaltschaft wegen Hinderung einer Amtshandlung angezeigt.

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