Mit Team in Asien: Zuger verwandelt Auto-Schrott in Kunst-Skulpturen

Seit 18 Jahren verwandelt Peter Lötscher aus Steinhausen ZG Auto- und Motorradteile in detailreiche Skulpturen. Seine Werke werden weltweit verkauft.

Im Interview erzählt Peter Lötscher, wie aus vermeintlichem Schrott einzigartige Kunstwerke entstehen und weshalb hinter jeder Skulptur viel Handarbeit steckt.
Redaktion: Herr Lötscher Sie leben in Steinhausen und betreiben mit Recycle Art ein Unternehmen, das weit über die Region hinaus tätig ist. Wie sind Sie ursprünglich auf die Idee gekommen, aus Auto- und Motorradteilen Kunstwerke zu schaffen?
Peter Lötscher: Ich war vor 20 Jahren schon immer über den kalten Winter in Südostasien. In den ersten Jahren kam ich im Frühling zurück und arbeitete durch die Sommertage Schichtarbeit in Steinhausen, um mir so den ewigen Sommer zu verdienen.
An einem dieser Wintertage 2007 habe ich an einem lokalen Markt in Asien ein paar Schweisser kennengelernt, die kleine Metallskulpturen an die Touristen verkauft haben.
Nach einigen Gesprächen und viel Zeit haben wir zusammen eine erste Collection Recycle Art mit fünf Skulpturen hergestellt. Zwei dieser Skulpturen waren auch da schon zwei Meter gross. Als die Kiste mit den fünf Skulpturen nach vier Monaten, komplett demoliert vor meiner Haustüre ankam, staunte ich nicht schlecht.
So reinigte ich die Skulpturen nochmals und begann für Recycle Art Werbung zu machen mit Ständen an Messen und kleinen Festivals. An der Swiss Moto fand ich dann auch meinen alten Geschäftspartner Eric Pauli, der mir mit seinem Motorradgeschäft im Aargau eine Verkaufsfläche bot. Zusammen haben wir Recycle Art gross gemacht.

Mit noch mehr Messen uns Festivals durch die ganze Schweiz. Von der Büntner Frühlingsmesse bis an den Auto Salon in Genf. Nach einigen Jahren wurde Eric Pauli dann pensioniert. Seither bin ich wieder allein mit einigen Temporären, die mir durch die Saison helfen.
Redaktion: Was fasziniert Sie persönlich daran, aus scheinbar nutzlosem Schrott etwas Neues und Einzigartiges entstehen zu lassen?
Lötscher: Es hat mich an diesem Marktstand in Asien schon fasziniert, was man aus alten Fahrzeugteilen alles zusammenschweissen kann. Als gelernter Automechaniker fasziniert es, nicht Probleme am Fahrzeug zu lösen, sondern etwas Kreatives aus der Teilen zu erschaffen.
Redaktion: Wie entsteht eine Skulptur – von der ersten Zeichnung in der Schweiz bis zum fertigen Kunstwerk?
Lötscher: Wir machen zwei grosse Kollektionen im Jahr. Dazu braucht es Pläne. Ich bin sehr viel unterwegs und Inspiration gibt es überall. Aus dutzenden Ideen bestimme ich dann die Top 5 der neuen Ideen und mache die Pläne am Computer hier in der Schweiz.
Die Herstellung der Skulpturen machen wir im Team mit 15 Arbeitern in Südostasien. Dazu bin ich jeweils zwei mal drei Monate vor Ort für die Produktion. So kann ich sicherstellen, dass alle Skulpturen genaustens nach Plan umgesetzt werden.
Wir machen auch viele Spezialanfertigungen und Kundenwünsche, die exakt dem Plan entsprechen müssen. Mit dem Stappel Plänen schauen wir dann in der Werkstatt, wie viel Material wir für die Kollektion benötigen.
Pro Produktion benötigen wir ca. sechs Tonnen Auto und Motorradteile. Die Pläne werden mit unseren sechs Schweisser besprochen, dann beginnt die Produktion. Nach drei Monaten Schweissarbeit sind die Skulpturen bereit für den Transport in die Schweiz.
Der Transport im Schiffscontainer ist sehr oft ein Abenteuer. Manchmal steht ein Schiff quer im Suez Kanal. Zurzeit ist der tiefe Wasserstand im Rhein unser Problem.
Im Recycle Art Shop angekommen, werden die Skulpturen nochmals aufbereitet und für den Aussenbereich lackiert.
Redaktion: Die Produktion findet mit einem Team von 15 Mitarbeitenden in Südostasien statt. Weshalb haben Sie sich für diesen Produktionsstandort entschieden und welche Vorteile bietet Ihnen die Zusammenarbeit vor Ort?
Lötscher: Mit 15 Arbeitern in der Schweiz wäre Recycle Art nur schwer möglich. Die Kosten würden unsere doch sehr angenehmen Preise weit übersteigen.
Durch die ständige Kontrolle der Arbeiten können wir Skulpturen auch nach Kundenwunsch anfertigen. So konnten wir in all den Jahren über 100 Spezialanfertigungen machen.
Redaktion: Sie verbringen jedes Jahr mehrere Monate in Südostasien. Wie sieht Ihr Alltag während dieser Produktionsphasen aus und welche Herausforderungen bringt die Zusammenarbeit mit dem Team mit sich?
Lötscher: Die zwei mal drei Monate in der Schweiz sind sehr hart und intensiv, so wird in der Zeit in Asien auch ausgeruht. Ich habe mit meinen vier Hunden ein sehr schönes zu Hause. Ich habe hier viele Schweizer Geschäftstermine am Computer und übers Telefon, auch wenn das Geschäft in den Monaten der Produktion geschlossen ist.
Die Werkstatt gibt mir immer wieder Updates von den entstehenden Skulpturen und ich kontrolliere, dass alles richtig aussieht. Die Herausforderung ist die Sprache. So zeige ich in den Plänen viele Bilder. Bei Problemen haben wir eine gute Übersetzerin.
Redaktion: Woher stammen die verwendeten Auto- und Motorradteile und wie aufwendig ist es, diese zu sammeln, zu zerlegen und für die Verarbeitung vorzubereiten? Können Sie uns kurz auf die Reise mitnehmen?
Lötscher: Das Material finden wir an Schrottplätzen und Garagen. Wo andere nur nutzlosen Schrott wahrnehmen, sehen wir in jedem Einzelteil ein Bestandteil für unserer Skulpturen.
Wir arbeiten mit vielen Auto- und Motorrad-Garagen zusammen, die für uns die gewünschten Teile sammeln. Von den Garagen bekommen wir vor allem Verschleissteile, die viel gewechselt werden, wie Bremsbelege, Zündkerzen oder Kettenritzel von Motorrädern.
Von Schrottplätzen bekommen wir ganze Motoren und Getriebe, die wir dann zerlegen, um an die kleinen Teile zu kommen. Das Material wird dann gereinigt, dass die Schweisser saubere Teile verarbeiten können. Eine Riesen-Arbeit.
Redaktion: Ihre aktuelle Produktion umfasst den fünf Meter hohen «Happy Dragon». Was macht diese Skulptur besonders und wie aufwendig war ihre Herstellung?
Lötscher: Nach schon einigen fünf Meter Skulpturen, eher dunklen Gestalten, wollte ich mit «Happy Dragon 5.00 m» etwas «Herziges» ins 2026 bringen. Es gibt dieses Jahr im Allgemeinen nicht viel zu lachen. So wenigstens bei uns im Recycle Art Shop. Fünf Meter Skulpturen herzustellen ist nicht ganz einfach.
Die Skulptur muss am Ende gut stehen, auch bei schlechtem Wetter. Für eine Skulptur in dieser Grösse braucht es drei Arbeiter, die einander gut unterstützen. Diese haben drei Monate daran gearbeitet.
Die andere grosse Schwierigkeit ist, dass der fünf Meter Drachen in einen zwei Meter fünfzig hohen Schiffscontainer passen muss. Dazu kann man den «Happy Dragon 5.00 m» zerlegen in neun Teile.
Redaktion: Im September kommt der «Happy Dragon» nach rund 20'000 Kilometern in die Schweiz. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher bei der Ausstellung und was möchten Sie mit Ihrer Kunst vermitteln?
Lötscher: Die neusten Kreationen präsentieren wir zweimal jährlich bei uns im Recycle Art Shop mit einer Grossausstellung. Der nächste Recycle Art Apero findet vom 26. September – 4. Oktober dieses Jahr statt. Er dauert über eine Woche.
Dabei wird der «Happy Dragon 5.00 m» die grosse Attraktion dieser Ausstellung sein. Wenn er während des Aperos kein neues zu Hause findet, dient er vor unserem Geschäft für eine Weile als Publikumsmagnet. Für die Vermittlung von Happy Dragon gibt es 1000 Franken Belohnung.
Wer weiss, vielleicht findet er im Kanton Zug ein neues zu Hause. Des Weiteren präsentieren wir am Apero die Neuheiten 2026 und die aktuellen Spezialanfertigungen, die wir diesen Sommer hergestellt haben. Wir freuen uns sehr über jeden Besuch. Vielen Dank für Ihre Zeit.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.






