Zug

So schützt der Kanton Zug seine Waldflächen

Uwe Guntern
Uwe Guntern

Region Zug,

Im Lorzentobel werden weitere wertvolle Waldflächen langfristig geschützt. Der Kanton Zug setzt dabei auf freiwillige Vereinbarungen.

Waldnaturschutz
Bei der Unterzeichnung des neuen Waldnaturschutz (von links): Revierförster Severin Nigg, Korporationspräsident Martin Urscheler, Landammann Andreas Hostettler und Armin Helbling, Amt für Wald und Wild. - Korporation Baar-Dorf

Waldnaturschutz muss nicht zwingend mit Verboten und behördlichen Verfügungen verbunden sein. Im Kanton Zug setzt man seit mehr als zwei Jahrzehnten auf einen anderen Weg: Staat und Waldeigentümer legen gemeinsam fest, welche ökologischen Ziele erreicht werden sollen und welche Massnahmen dafür nötig sind.

Die Grundlage bildet ein Waldnaturschutzvertrag. Dieses Modell hat seinen Ursprung in der Baarburg. 2005 unterzeichnete der Kanton Zug dort seinen ersten Vertrag dieser Art.

Damit wurde ein Weg eingeschlagen, der sich über die vergangenen 20 Jahre bewährt hat. Wertvolle Lebensräume konnten erhalten, seltene Arten gefördert und konkrete Massnahmen zugunsten der Biodiversität umgesetzt werden.

Nun wird diese Geschichte weitergeschrieben. Mit einem neuen Waldnaturschutzvertrag werden zusätzliche ökologisch besonders wertvolle Flächen im Lorzentobel langfristig gesichert.

Lorzentobel
Das Gebiet Lorzentobel. - keystone

Die Korporation Baar-Dorf verzichtet auf ausgewählten Waldflächen auf eine forstwirtschaftliche Nutzung und räumt dort den ökologischen Zielen Vorrang ein. Für Andreas Hostettler, Landammann und Direktor des Innern, ist dies ein wichtiges Signal:

«Der freiwillige Waldnaturschutz im Kanton Zug funktioniert seit zwanzig Jahren. Dass die Korporation Baar-Dorf dieses erfolgreiche Modell nun im Lorzentobel weiterführt, ist ein starkes Zeichen für die gemeinsame Verantwortung von Staat und Waldeigentümern.»

Viele Ansprüche an den Zuger Wald

Der Wald ist weit mehr als ein Lieferant von Holz. Er schützt Siedlungen und Verkehrswege vor Naturgefahren, bietet der Bevölkerung Raum für Erholung und ist Lebensraum für eine enorme Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Pilzen.

Gleichzeitig erfüllt er wichtige Funktionen für Klima und Wasserhaushalt. Diese unterschiedlichen Ansprüche müssen auf derselben Fläche miteinander in Einklang gebracht werden.

Im Kanton Zug haben rund 28 Prozent der Waldfläche gemäss kantonalem Richtplan eine besondere Naturschutzfunktion. Wo dies der Fall ist, stehen der Erhalt und die Förderung der Biodiversität im Vordergrund.

Der Kanton setzt dabei auf langfristige Zusammenarbeit. Gemeinsam mit den Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern werden Ziele definiert und konkrete Massnahmen vereinbart.

Dazu gehören beispielsweise die Förderung seltener Baumarten, die Schaffung lichter Waldstrukturen oder der teilweise Verzicht auf eine forstwirtschaftliche Nutzung. Für die vereinbarten Leistungen erhalten die Eigentümerschaften Entschädigungen von Bund und Kanton.

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Mittlerweile umfasst das kantonale Netz 28 vertragliche Waldnaturschutzgebiete mit einer Fläche von rund 1500 Hektaren. Insgesamt sind rund 1800 Hektaren als Waldnaturschutzflächen ausgewiesen.

Das entspricht etwa 28 Prozent der gesamten Zuger Waldfläche. Die Schutzgebiete leisten damit nicht nur einen Beitrag zur Biodiversität, sondern helfen auch, die Wälder widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.

Das Lorzentobel als ökologisches Mosaik

Zu den besonders wertvollen Gebieten gehört das Lorzentobel. Das bewaldete, weitgehend naturnahe Tal zählt zu den landschaftlich und ökologisch bedeutendsten Waldgebieten des Kantons. Wasser, Erosion und Hangrutschungen haben die Landschaft über Jahrtausende geprägt und dabei eine aussergewöhnliche Vielfalt an Strukturen geschaffen.

Felsbänder wechseln sich mit Bachläufen, feuchten Senken und trockenen Kuppen ab. Auf engem Raum sind dadurch unterschiedliche Lebensräume entstanden. Entsprechend gross ist die Vielfalt der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, die hier geeignete Bedingungen finden.

Der neue Waldnaturschutzvertrag trägt dieser Besonderheit Rechnung. Das Waldnaturschutzgebiet Lorzentobel umfasst 170 Hektaren. Davon entfallen 21 Hektaren auf Flächen der Korporation Baar-Dorf.

Im Gebiet wurden 38 verschiedene Waldgesellschaften erfasst – also natürliche Waldtypen, die sich aufgrund der jeweiligen Standortbedingungen entwickelt haben. 28 Waldstandorte gelten als naturkundlich besonders bedeutend.

Sie machen rund 60 Prozent der Fläche aus. Mit dem Vertrag sollen diese ökologischen Qualitäten langfristig erhalten und gezielt weiterentwickelt werden. Wo nötig, werden geeignete Naturschutzmassnahmen umgesetzt.

Wald Hitze
Waldnaturschutz muss nicht zwingend mit Verboten und behördlichen Verfügungen verbunden sein. (Symbolbild) - keystone

Auf bestimmten Flächen verzichtet die Korporation gleichzeitig auf eine forstwirtschaftliche Nutzung, damit sich wertvolle Lebensräume entwickeln können.

Die Korporation Baar-Dorf als starke Partnerin

Die Korporation Baar-Dorf bewirtschaftet als bedeutende Waldeigentümerin knapp 300 Hektaren Wald. Ihre Verantwortung reicht damit weit über die Holzproduktion hinaus.

Sie umfasst ebenso die Schutzfunktion des Waldes, seine Bedeutung als Erholungsraum und seine Rolle als Lebensraum für zahlreiche Arten. Die Erfahrungen aus den vergangenen 20 Jahren zeigen, welchen Unterschied eine solche Zusammenarbeit machen kann.

Naturschutzmassnahmen lassen sich langfristig besonders wirkungsvoll umsetzen, wenn Fachstellen, Behörden und Waldeigentümer gemeinsame Ziele verfolgen. Die Eigentümer kennen ihre Wälder und deren Besonderheiten, während die kantonalen Fachstellen Wissen zu Lebensräumen, Arten und geeigneten Massnahmen einbringen.

Für Martin Urscheler, Präsident der Korporation Baar-Dorf, ist diese gemeinsame Verantwortung Teil eines langfristigen Verständnisses von Waldpflege:

«Waldnaturschutz funktioniert nachhaltig, wenn die Waldeigentümer aus Überzeugung mitwirken. Wir übernehmen Verantwortung für unseren Wald – nicht erst seit gestern, sondern seit Jahrhunderten und für kommende Generationen. Der Naturschutz ist für uns Teil einer langfristigen und nachhaltigen Waldpflege.»

Damit wird auch deutlich, weshalb der freiwillige Ansatz über einzelne Projekte hinausweist. Ein Wald entwickelt sich langsam.

Was heute entschieden oder gepflanzt wird, kann erst Jahrzehnte später seine volle Wirkung entfalten. Langfristige Vereinbarungen schaffen deshalb Planungssicherheit und ermöglichen es, Naturschutz über Generationen hinweg zu denken.

Von der Baarburg in den ganzen Kanton

Wie erfolgreich gezielte Waldnaturschutzmassnahmen sein können, zeigt sich besonders an der Baarburg. Das Waldnaturschutzgebiet ist mit 37 Hektaren zwar deutlich kleiner als das neue Schutzgebiet im Lorzentobel, weist aber eine bemerkenswerte ökologische Vielfalt auf.

28 verschiedene Waldgesellschaften kommen dort vor. 16 Waldstandorte sind naturkundlich besonders bedeutend und machen rund 57 Prozent der Fläche aus. Seit der Unterzeichnung des ersten Waldnaturschutzvertrags wurden mehr als 100 Naturschutzmassnahmen umgesetzt.

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Im Kanton Zug wird Waldschutz besonders reguliert: Staat und Waldeigentümer legen gemeinsam fest, welche ökologischen Ziele erreicht werden sollen. - keystone

Besonders sichtbar wird der Erfolg an der Traubeneiche. Die seltene Baumart ist im Kanton Zug praktisch nur an der Baarburg anzutreffen. Sie ist ökologisch wertvoll und gilt zugleich als vergleichsweise klimaresistent.

Damit könnte sie eine wichtige Rolle bei der Anpassung der Wälder an höhere Temperaturen und veränderte klimatische Bedingungen spielen. Durch gezielte Freistellungen und die Schaffung von Lichtflächen wurden die Voraussetzungen für ihre natürliche Verjüngung verbessert.

Nun wird geprüft, ob aus den Samen der genetisch wertvollen Traubeneichen Jungbäume herangezogen werden können. Geeignete Waldstandorte im ganzen Kanton könnten damit künftig von diesem besonderen genetischen Material profitieren.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.

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