Wegen PFAS: So leiden Fischer unter Verkaufsverbot

Weil die Fische im Zugersee teils zu hohe Mengen an Chemikalien enthalten, dürfen sie nicht verkauft werden. Ein Berufsfischer erzählt, wie er damit umgeht.

Das Wichtigste in Kürze
- Für Hechte und Egli aus dem Zugersee gilt ein Verkaufsverbot.
- Die Tiere enthalten zu hohe Mengen der Chemikalie PFAS.
- Die Fischer fahren immer noch raus - oft landet der Fang auf dem eigenen Teller.
Die PFAS-Belastung im Zugersee zwingt Fischer zu drastischen Massnahmen. Hechte und Egli dürfen seit November nicht mehr verkauft werden. Die Fische enthalten zu hohe Mengen der sogenannten Ewigkeitschemikalien.
Berufsfischer Hans-Ueli Zwimpfer führt das Familienunternehmen bereits in 13. Generation. Seit 1502 verkaufen die Zwimpfers Fisch aus Schweizer Seen. Das Verkaufsverbot macht Hans-Ueli Zwimpfer zu schaffen.

«Da blutet mir das Herz», sagt er gegenüber SRF. Der Luzerner Fischer bedauert besonders den Wegfall des Eglis. «Es ist etwas vom Besten aus den Schweizer Seen», erklärt er.
Fischer fahren trotz Verkaufsverbot weiter raus
An Zwimpfers Arbeitsalltag hat sich durch die Einschränkung wenig geändert.
Fängt er einen Fisch, den er nicht verkaufen kann, dann landet dieser oft auf dem Teller des Fischers selbst: «Diesen Egli darf ich nicht mehr verkaufen, darum wird das mein Zmittag», sagt Zwimpfer.

Der Kanton Zug hat eine finanzielle Unterstützung für die betroffenen Fischer beschlossen. Insgesamt stehen 105'000 Franken zur Verfügung. Dieses Geld muss für alle acht Berufsfischer auf dem Zugersee reichen.
Wie viel genau pro Kilogramm ausgezahlt wird, steht noch nicht fest. Ende März erfolgt die erste Abrechnung. Die Fischer erhalten nur dann Geld, wenn sie die belasteten Fische tatsächlich entsorgen.

Beda Schlumpf leitet die Abteilung Fischerei und Jagd beim Kanton Zug. Er relativiert die Auswirkungen des Verkaufsverbots gegenüber SRF: «Es ist ja nur ein kleiner Teil des Fangs, der wegfällt.»
Expertin: Problem wird sich verschärfen
Der Kanton hat berechnet, dass 5,2 Prozent der Gesamtfangmenge betroffen sind. Das bedeutet umgekehrt: 95 Prozent der Fische können weiterhin gefangen und verkauft werden. Diese Zahlen sollen die Fischer beruhigen.
Allerdings warnen Experten vor einer Verschärfung des Problems. Alexandra Kroll forscht am Oekotoxzentrum zu PFAS-Chemikalien. Das Oekotoxzentrum ist das schweizerische Kompetenzzentrum für Umweltchemikalien.

«Die Berufsfischerei muss sich darauf einstellen, dass es weitere Massnahmen geben wird, an weiteren Seen», sagt Kroll gegenüber SRF. Tatsächlich dürfen bereits Hechte aus dem Hallwilersee nicht mehr verkauft werden.
Chemikalien in vielen Alltagsprodukten
PFAS sind per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Sie werden auch Ewigkeitschemikalien genannt, weil sie sich in der Umwelt nicht abbauen.
Die Chemikalien reichern sich in Organismen an und können gesundheitsschädlich sein.
Um das Problem zu lösen, müsste die Verwendung von PFAS strenger geregelt werden. «Das Problem kann nur entschärft werden, wenn wir weniger PFAS in die Umwelt abgeben», erklärt Alexandra Kroll.
Die Chemikalien finden sich in vielen Alltagsprodukten. Sie werden für Verpackungsmaterialien verwendet, in Löschschaum oder in Funktionskleidung.
PFAS-Problem in der Schweiz nimmt zu
Die Belastung von Schweizer Gewässern mit Chemikalien ist ein zunehmendes Problem.
Wie Expertinnen und Experten gegenüber Nau.ch berichteten, gibt es keine Orte mehr, die frei von Chemikalien sind. Auch wenn die Konzentrationen stark schwanken.

Die PFAS-Problematik wird auch in Bundesbern diskutiert. Das Parlament hat jüngst entschieden, dass der Bundesrat die Verwendung von Ewigkeitschemikalien einschränken soll, wo dies möglich ist.
Bei der Festlegung der Grenzwerte sollen aber auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden.







