Zuger Eltern suchen am meisten Nannys – schon für ganz Kleine

Rund 200 Nanny-Jobs sind auf «Babysitting24» derzeit ausgeschrieben. Besonders gefragt ist Betreuung für Kleinkinder – geeignete Kandidatinnen sind aber rar.

Das Wichtigste in Kürze
- Zug führt schweizweit bei Nanny-Gesuchen pro Kopf deutlich.
- Viele Gesuche betreffen Babys und den Wiedereinstieg nach der Geburt.
- Geeignete Bewerberinnen sind knapp, die Löhne liegen über dem Schweizer Mittel.
Kind aus der Kita abholen, am Nachmittag betreuen, Abendessen vorbereiten und bei Bedarf auch einmal am Wochenende einspringen: Eine Familie in Zug sucht derzeit genau dafür Unterstützung.
Gesucht wird eine Vollzeit-Nanny beziehungsweise Family Assistant. Neben der Kinderbetreuung gehören auch einzelne Aufgaben rund ums Kind und den Haushalt dazu. Für die eigentliche Reinigung ist eine separate Reinigungskraft zuständig.
Zug liegt schweizweit an der Spitze
Inserate wie dieses sind in Zug keine Seltenheit. Auf der Plattform «Babysitting24» sind im Kanton derzeit rund 200 offene Nanny-Stellen ausgeschrieben.
Damit sticht Zug im schweizweiten Vergleich deutlich heraus.
«Pro Kopf liegt Zug bei den Nanny-Gesuchen an der Spitze aller 26 Kantone – mit rund doppelt so vielen Gesuchen wie im Schweizer Durchschnitt», sagt Jan Scheiwiler von der Betreiberin «Lemonfrog AG».
In absoluten Zahlen liegt Zürich vorne. Gemessen an der Bevölkerung führt jedoch Zug.
Auch die Zahl der Gesuche hat stark zugenommen. In den vergangenen Jahren habe sich die Nachfrage ungefähr verdoppelt.
Von einem plötzlichen Boom will Scheiwiler trotzdem nicht sprechen. «Zug hatte schon vor Jahren ein sehr hohes Niveau und hat es heute noch.» Der Anteil des Kantons an der schweizweiten Nanny-Nachfrage sei über die Jahre stabil geblieben.
Als mögliche Gründe nennt Scheiwiler die hohe Erwerbsquote beider Eltern, das hohe Einkommensniveau und die angespannte Situation bei institutionellen Betreuungsplätzen.
Besonders oft werden Nannys für Kleinkinder gesucht
Auffällig ist auch das Alter der Kinder.
Rund zwei Drittel der Zuger Gesuche auf «Babysitting24» betreffen Kinder unter zwei Jahren. Das ist deutlich mehr als im Schweizer Durchschnitt.
«Das deutet auf den beruflichen Wiedereinstieg nach dem Mutterschaftsurlaub hin, wenn noch kein Krippenplatz vorhanden ist», sagt Scheiwiler.
Doch nicht nur fehlende Betreuungsplätze machen eine Nanny attraktiv.
Anne Tobien, Geschäftsführerin der Vermittlungsagentur «Lampentasche», betreut auch Familien im Raum Zug.
Nach ihrer Erfahrung suchen besonders häufig Haushalte eine Nanny, in denen beide Eltern beruflich stark engagiert sind. Vereinzelt wünschen sich auch Mütter, die zu Hause sind, zusätzliche Unterstützung.
Ein wichtiger Vorteil sei die Betreuung im eigenen Zuhause. Die Nanny könne individuell auf das Kind eingehen. Gleichzeitig falle am Morgen zusätzlicher Stress weg. «Je nach Situation kann die Nanny die Kinder sogar noch schlafend übernehmen», sagt Tobien.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Wird ein Kind krank, kann die Betreuung zu Hause weiterlaufen. Die Eltern müssen ihre Arbeit dadurch nicht zwingend unterbrechen.
Eine Nanny ist keine Reinigungskraft
Im Zentrum der Arbeit steht laut Tobien klar die Kinderbetreuung.
Dazu gehören etwa Pflege, Kochen und gemeinsame Aktivitäten. Hinzu kommen Aufgaben wie Kinderwäsche, Ordnung im Kinderzimmer oder das Organisieren der Kleider.
Bei älteren Kindern übernehmen Nannys zudem Fahrdienste, begleiten sie zu Hobbys, helfen bei Hausaufgaben oder organisieren Playdates.

Immer wieder erwarteten Familien aber auch klassische Putzarbeiten. Dann müsse ihre Agentur erklären, dass es sich um zwei unterschiedliche Tätigkeitsprofile handle. «Eine Nanny ist keine Reinigungskraft», betont Tobien.
In seltenen Fällen seien die Anforderungen noch deutlich umfassender.
Dann werde sinngemäss die «eierlegende Wollmilchsau mit Sattel und Reiter» gesucht: pädagogische Ausbildung, eigene Kinder, Montessori-Erfahrung, Mandarin-Kenntnisse, Führerschein, Rettungsschwimmer-Ausbildung oder Skifahrkenntnisse.
Nur wenige geeignete Bewerberinnen
Eine passende Nanny zu finden, ist allerdings nicht einfach.
Im Raum Zug gebe es pro ausgeschriebener Stelle häufig nur ein bis zwei professionelle und qualifizierte Kandidatinnen, sagt Tobien.
Bei den Qualifikationen gehen die Wünsche auseinander. «Ein Teil der Familien sucht gezielt eine Fachfrau Betreuung Kind, andere gewichten die Erfahrung als Mutter stärker», sagt Tobien. Besonders gefragt seien Deutsch und Englisch.
Grössere Unterschiede zu benachbarten Kantonen wie Zürich, Schwyz oder Luzern beobachtet Tobien bei den Arbeitsmodellen und Erwartungen allerdings nicht.
Beim Lohn liegt Zug dagegen über dem Schweizer Mittel. Auf «Babysitting24» beträgt der durchschnittliche Bruttostundenlohn im Kanton rund 32.40 Franken. Schweizweit sind es rund 29 Franken.
Kanton weiss nicht, wie viele Nannys es gibt
Wie viele Kinder in Zug tatsächlich von einer Nanny betreut werden, ist nicht bekannt. Dem Kanton liegen dazu keine eigenen statistischen Daten vor, wie die Direktion des Innern auf Anfrage mitteilt.
Das Bundesamt für Statistik erfasst zwar die gemeinsame Kategorie «Nanny, Au-pair, Babysitter». Für Zug sei die Zahl der Beobachtungen jedoch zu klein, um verlässliche Werte auszuweisen, erklärt Sprecher Lukas Langhart.
Auch im kantonalen Monitoring zur familien- und schulergänzenden Kinderbetreuung im Jahr 2022 wurden Nannys und Au-pairs nicht erfasst.

Der Kanton spricht zwar von einer «wichtigen und flexiblen» Ergänzung für einzelne Familien. Deren tatsächliche Bedeutung im Zuger Betreuungsmix kann er aber nicht beziffern.
Auch bei der Finanzierung gibt es einen Unterschied zu Kitas und gemeldeten Tagesfamilien: Für Nanny-Betreuung wird keine Kantonspauschale ausgerichtet.
«Der Kantonsrat hat die Frage bei der Gesetzesrevision ausdrücklich beraten und bewusst auf eine Mitfinanzierung verzichtet», sagt Langhart.
Begründet wird dies unter anderem damit, dass Nannys keiner vergleichbaren staatlichen Aufsicht und keinen verbindlichen Qualitätsvorgaben unterstehen.








