Zuger Fechtclub: Das ist unser ganz grosser Traum

    Uwe Guntern
    Uwe Guntern

    Region Zug,

    Solange Emmenegger, Cheftrainerin des Zuger Fechtclubs, erklärt, warum Fechten mehr als schnelle Reaktionen verlangt und wie Niederlagen zu Fortschritt führen.

    Für Solange Emmenegger ist die Arbeit als Cheftrainerin extrem erfüllend.
    Für Solange Emmenegger ist die Arbeit als Cheftrainerin extrem erfüllend. - zVg

    Der Zuger Fechtclub ist der einzige Fechtverein im Kanton Zug. Rund 100 Mitglieder gehören ihm heute an, zwei Drittel davon sind Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren. Trainiert wird in der Turnhalle des Loreto-Schulhauses.

    Der Verein versteht sich als Ausbildungsstätte für den gesamten Weg: vom ersten Umgang mit der Fechtklinge bis zum Einsatz an nationalen und internationalen Turnieren. Neben dem Breitensport nimmt deshalb auch die Nachwuchs- und Leistungssportförderung einen wichtigen Platz ein.

    Gerade für Kinder und Jugendliche bietet der Sport eine besondere Mischung aus Herausforderung und Gemeinschaft. Gleichzeitig entstehen Freundschaften, die über die Trainingshalle hinausreichen. Das Vereinsleben beschränkt sich deshalb längst nicht auf die beiden wöchentlichen Trainings.

    Der Zuger Fechtclub beteiligt sich am Zuger Ferienpass, organisiert Anfängerkurse und Fechtweekend und zeigt Präsenz an Sportveranstaltungen und Firmenevents. Wir sprachen mit der Cheftrainerin Solange Emmenegger.

    Emmenegger
    Solange Emmenegger: «Wir versuchen, den Fechtern auch unsere Vereinswerte Kampfgeist, Freundschaft und Fortschritt weiterzugeben.» - zVg

    Redaktion: Was fasziniert Sie persönlich am Fechten – und was hat Sie dazu gebracht, diesen Sport zu Ihrem Beruf beziehungsweise Ihrer Aufgabe zu machen?

    Solange Emmenegger: Mich fasziniert die Vielseitigkeit dieses Sports: von Präzision über Athletik bis zu Taktik und den mentalen Aspekten muss man in allen Bereichen top sein, um Leistung zu erbringen.

    Ausserdem ist es eine Sportart, in der man nie ausgelernt hat, sich immer weiter verbessern kann, egal auf welchem Niveau. Das nehme ich als äusserst motivierend wahr.

    Ich liebe diesen Sport und finde es äusserst bereichernd andere Leute persönlich und fechterisch weiterzubringen sowie gemeinsam Ziele zu erreichen. Deshalb ist die Arbeit als Cheftrainerin für mich extrem erfüllend.

    Redaktion: Der Zuger Fechtclub hat rund 100 Mitglieder, viele davon Kinder und Jugendliche. Was macht die Arbeit mit dem Nachwuchs für Sie besonders?

    Emmenegger: Natürlich streben wir als Trainerteam an, die beste Leistung aus jedem Fechter herauszubekommen, und Erfolge freuen mich sehr. Auf der anderen Seite macht es mich genauso stolz, die persönlichen Entwicklungen der Kinder und Jugendlichen zu beobachten.

    Zu sehen, wie sie dank dem Fechten lernen, sich etwas zuzutrauen, mental wachsen und Verantwortung für sich übernehmen – alles Skills, die ihnen helfen, auch als Erwachsene erfolgreich zu sein.

    Für mich als Trainerin ist es befriedigend, ihnen dieses Umfeld bieten zu können und ihnen auch gewisse Werte auf den Weg geben zu können.

    Redaktion: Wie motivieren Sie nach einer Niederlage, wenn die Enttäuschung gross ist?

    Emmenegger: Für uns ist in der Ausbildung weniger die Niederlage oder der Sieg entscheidend. Viel mehr fragen wir die Fechter, ob sie ihr Bestes gegeben haben, und vor allem analysieren wir mit ihnen, was sie das nächste Mal besser machen können und was eigentlich schon gut lief.

    In einer Kampfsportart wie dem Fechten, wo man sich permanent mit anderen vergleicht, ist es enorm wichtig, immer wieder bei sich selbst zu bleiben. Und natürlich, wenn die Enttäuschung gross ist, ist es okay, einfach traurig oder verärgert zu sein. Aber wir helfen ihnen möglichst bald wieder, den Blick nach vorne zu richten und daraus zu lernen.

    Der russische Fechter Sergey Bida (rechts) im Einsatz. (Archivbild)
    Gerade für Kinder und Jugendliche bietet Fechten eine besondere Mischung aus Herausforderung und Gemeinschaft. (Symbolbild) - keystone

    Redaktion: Fechten ist ein Einzelsport, gleichzeitig betont der Verein Gemeinschaft und Freundschaft. Wie wichtig ist das Team für den individuellen Erfolg?

    Emmenegger: Unglaublich wichtig! Meiner Meinung nach kann man als Athlet nur performen, wenn man ein Umfeld um sich hat, indem man sich wohlfühlt. Dazu gehören auch die Trainingskollegen.

    Ausserdem kann man als Fechter schlecht nur mit sich selbst trainieren – man braucht immer Gegner auf einem passenden Niveau. Aus diesem Grund versuchen wir auch, die Breite zu fördern, damit jeder ein passendes Trainingsumfeld hat.

    Im Fechten gibt es Teamturniere, die im Verein einen grossen Stellenwert haben. Die zwei Vize-Schweizermeistertitel im Team bei den U14 und U17 Herren verdanken wir auch unserem guten Teamsprit und sind ein schöner Leistungsausweis für eine breite Basis.

    Redaktion: Was muss jemand mitbringen, um eine gute Fechterin oder ein guter Fechter zu werden?

    Emmenegger: Für mich sind zwei Punkte entscheidend. Erstens die Attitüde. Jeder kann sagen, sein Traum sind die Olympischen Spiele, aber der Unterschied liegt in der Umsetzung.

    Gehe ich regelmässig in die Trainings? Setze ich mir hohe Standards? Verhalte ich mich wie ein Athlet? Wo kann ich mich noch verbessern?

    Wie man diese Fragen beantwortet, macht den Unterschied zwischen einem Athleten, der nur träumt, und einem, der seine Ziele erreicht. Der zweite Punkt ist das Umfeld. Speziell die Eltern haben einen wichtigen Stellenwert, indem sie es ihren Kids ermöglichen, an die Turniere zu gehen, zu trainieren und auch mittels der Werte, die sie mitgeben.

    Redaktion: Wie erleben Sie den Moment, wenn aus einem Anfänger plötzlich ein ambitionierter Wettkampfsportler wird? Gibt es einen Augenblick, an dem Sie merken: «Da ist etwas entstanden»?

    Emmenegger: Primär sind das die mentalen Veränderungen, wenn man plötzlich merkt, dass sie in Eigeninitiative aus jedem Gefecht versuchen zu lernen, wenn man sie nicht mehr fünfmal auf denselben Fehler aufmerksam machen muss.

    Selten passiert das über Nacht. Aber es gibt immer wieder Momente, an denen man das feststellt, beispielsweise an Turnieren oder wenn sie das Gespräch suchen. Für mich ist das ein schöner Erfolg, weil der Samen, den man gesät und unermüdlich gewässert hat, plötzlich Früchte trägt. Das benötigt oft viel Vertrauen in den Prozess und Geduld auch von meiner Seite.

    Hast du Fechten schon mal ausprobiert?

    Redaktion: Die Trainingsmöglichkeiten des Zuger Fechtclubs sind räumlich begrenzt. Wo liegen aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für den Verein – und was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

    Emmenegger: Schon an den professionellen Trainingsmöglichkeiten: Im Gegensatz zu anderen Vereinen haben wir keine eigene Fechthalle, welche wir den ganzen Tag nützen können. So ist es herausfordernd, allen die nötige Förderung zukommen zu lassen oder beispielsweise Sportschüler zu unterstützen.

    Unser ganz grosser Traum ist also klar eine eigene Fechthalle. Solange das Utopie bleibt, machen wir das Beste aus den Möglichkeiten, die wir haben. Dank der Unterstützung der Stadt Zug konnten wir unsere Trainingskapazitäten in den letzten Jahren signifikant ausbauen und auch in die Infrastruktur investieren.

    Redaktion: Was kann Fechten Kindern und Jugendlichen fürs Leben mitgeben, das über den Sport hinausgeht?

    Emmenegger: Wir versuchen, den Fechtern auch unsere Vereinswerte Kampfgeist, Freundschaft und Fortschritt weiterzugeben. Ich denke, dieser Fokus auf den eigenen Prozess sowie das Dranbleiben und sich etwas zutrauen, können unsere Fechter zu resilienten Erwachsenen werden lassen.

    Unglaublich wichtig in unserer heutigen Welt. Und dann wollen wir ihnen im Club auch einfach einen Ort bieten, wo sie sich wohlfühlen, Freundschaften knüpfen können und auch einfach Spass haben.

    Redaktion: Wenn Sie einem Menschen, der noch nie einen Degen in der Hand hatte, in einem Satz erklären müssten, warum er oder sie Fechten ausprobieren sollte – was würden Sie sagen?

    Emmenegger: Das Gefühl, wenn plötzlich alles zusammenpasst, man einen schönen Treffer mit voller Geschwindigkeit gegen einen starken Gegner setzt – das macht süchtig und muss man unbedingt mal erlebt haben!

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.

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