Anne Hänel (ALG): «Zug hat ein Luxusproblem»

Die Zuger ALG-Kantonsrätin Anne Hänel kritisiert in ihrem Gastbeitrag fehlende Daten zur Wohnraumentwicklung.

Die neuesten Zahlen des Bundesamts für Statistik sind bemerkenswert: Seit Ende 2024 gibt es im Kanton Zug mehr Beschäftigte als Einwohnerinnen und Einwohner! 135'123 Beschäftigte stehen einer ständigen Wohnbevölkerung von 133'739 gegenüber. Damit ist Zug schweizweit Spitzenreiter.
Auch bei den Vollzeitäquivalenten im Verhältnis zur Bevölkerung liegt der Kanton Zug an der Spitze, noch vor Basel-Stadt und Genf.
Noch deutlicher wird die Entwicklung mit Blick auf die vergangenen Jahre: Seit 2011 ist die Bevölkerung im Kanton Zug um rund 16 Prozent gewachsen. Die Zahl der Beschäftigten dagegen um 32 Prozent, die Zahl der Vollzeitäquivalente sogar um 35 Prozent.

Anders gesagt: Die Arbeitsplätze wachsen doppelt so schnell wie die Bevölkerung. Das klingt zunächst nach einer Erfolgsgeschichte. Und wirtschaftlich ist es das ohne Zweifel: Zug ist attraktiv für Unternehmen, es entstehen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen fliessen.
Doch hinter jedem Arbeitsplatz steht ein Mensch, und jeder Mensch braucht ein Zuhause. Wenn immer mehr Menschen nach Zug kommen, um hier zu arbeiten, hat das Folgen: Für den Wohnungsmarkt, für den Verkehr, für die gesamte Infrastruktur.
Und letztlich auch für die Frage, welche Art von Kanton wir sein wollen. Deshalb hat die ALG den Regierungsrat gefragt, wie sich das Verhältnis von Wohnraum und Arbeitsplätzen in den vergangenen Jahren entwickelt hat.
Die Antwort ist ernüchternd: Es fehlen die Daten. Der Kanton weiss nicht zuverlässig, wie sich Wohn- und Büroflächen entwickelt haben, und verweist auf die Gemeinden. Gleichzeitig geht er davon aus, dass der Markt die Entwicklung regelt und die «Wohnpolitische Strategie 2030» (WPS 2030) wirkt.
Doch wie lässt sich die Wirkung einer Strategie beurteilen, wenn die Entwicklung nicht systematisch erfasst wird? Natürlich liegen viele Zuständigkeiten bei den Gemeinden. Aber der Kanton trägt die strategische Verantwortung für die Raumplanung.
Zur Autorin
Anne Hänel ist Zuger Kantonsrätin und Co-Präsidentin Alternative – die Grünen Cham.
Dazu gehört auch, die nötigen Grundlagen zu schaffen. Und ich denke, wir müssen uns auch eine unbequeme Frage stellen: Braucht Zug tatsächlich immer mehr Arbeitsplätze? Und immer mehr Wachstum?
Wachstum allein darf nicht das Ziel sein. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Wachstum Zug tatsächlich verkraftet und welche Art von Wachstum wir wollen.
Hinweis
Dieser Gastbeitrag ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.








