Zug

So bringt Polizist Kids die Verkehrs-Regeln näher

Michael Schwegler
Michael Schwegler

Region Zug,

Ein Vormittag mit Verkehrspolizist Thomas Kempf zeigt, wie Kinder Schritt für Schritt Sicherheit im Strassenverkehr gewinnen.

Verkehrspolizist Thomas Kempf bringt den Baarer Kindergartenkindern die wichtigsten Regeln für den Strassenverkehr näher.
Verkehrspolizist Thomas Kempf bringt den Baarer Kindergartenkindern die wichtigsten Regeln für den Strassenverkehr näher. - MS

Das Wichtigste in Kürze

  • In einem Baarer Kindergarten zeigt Thomas Kempf den Kindern, wie sie sich sicher im Strassenverkehr bewegen.
  • Dabei wird deutlich, wie viel Geduld, Kommunikation und Übung hinter der Verkehrserziehung steckt.

Als Thomas Kempf mich am Bahnhof Baar abholt, ist der Beifahrerplatz im Auto bereits besetzt. Dort sitzt Louis, ein Plüschschimpanse, der den Verkehrspolizisten bei seinen Besuchen in den Kindergärten begleitet. An diesem Morgen darf ich seinen Platz einnehmen.

Louis muss deshalb kurz hinten Platz nehmen – doch spätestens im Kindergarten wird der Schimpanse wieder eine wichtige Rolle übernehmen. Kempf ist seit 12 Jahren Verkehrspolizist und besucht Kinder während ihrer gesamten Schulzeit.

Im Kindergarten beginnt die Verkehrserziehung spielerisch und mit einfachen Bildern. Später begleitet er die Schülerinnen und Schüler auch in den höheren Klassen und kann dort anspruchsvollere Themen rund um Sicherheit und Verhalten ansprechen.

Louis, die Eule, der Frosch, der Elefant und der Strauss

Im Kindergarten angekommen, begrüsst Thomas Kempf die Kinder, von denen einige ihn bereits aus dem vergangenen Jahr kennen. Für andere ist er neu. Schnell wird deutlich, dass der Polizist hier nicht einfach vor einer Gruppe steht und Regeln aufsagt.

Verkehrspolizist Thomas Kempf
Verkehrspolizist Thomas Kempf. - MS

Er nimmt sich Zeit, fragt nach, hört zu und erklärt. Unterstützt wird er dabei von Louis. Der Plüschschimpanse trägt wie die Kinder eine Leuchtweste und eine Kindergartentasche.

Auf dieser sind vier Tiere abgebildet, die den Kindern helfen sollen, sich die wichtigsten Schritte beim Überqueren der Strasse zu merken: die Eule, der Frosch, der Elefant und der Strauss. Die Eule steht für das Warten «Warte». Danach kommt der Frosch mit seinen grossen Augen: «Luege».

Der Elefant erinnert mit seinen grossen Ohren daran, zu hören «Lose», ob ein Fahrzeug kommt. Erst wenn ein Auto oder anderes Fahrzeug vollständig stillsteht, darf die Strasse überquert werden. Die Räder müssen «stoppen».

Dann folgt der Strauss und damit das Laufen «Laufe». Kempf lässt die Kinder die Begriffe nicht einfach wiederholen. Sie klatschen dazu, sprechen die Wörter laut aus und spielen die einzelnen Schritte durch.

So wird zum Beispiel «Rand-Stein» deutlich ausgesprochen und dazu geklatscht. Der Randstein ist ein wichtiges Symbol, denn dort beginnt der entscheidende Ablauf: warten, schauen, hören, nochmals schauen und erst dann über die Strasse gehen.

Der Randstein zeigt den Kindern die Grenze auf zwischen Trottoir und Strasse.

Verkehrserziehung zum Anfassen

Für die Trockenübung im Kindergarten hat Thomas Kempf einiges dabei. Zwei Aluminiumkoffer und eine grosse schwarze Röhre gehören zu seiner Ausrüstung. Darin befindet sich ein Strassenteppich, auf dem Verkehrssituationen nachgespielt werden können.

Nach und nach holt Kempf aus den Koffern verschiedene Fahrzeuge heraus und platziert sie auf dem Strassenteppich. Auch die beiden Kinderfiguren Julia und Luca finden ihren Platz.

Julia und Luca begleiten Kempf bei seiner Arbeit und helfen den Kindern, die Situationen aus ihrem eigenen Alltag zu verstehen. Auch das sogenannte Kindertrottoir wird erklärt. Es befindet sich weiter von der Strasse entfernt und ist nicht gleich der Bereich direkt an der Strasse.

Denn dieser ist tendenziell für die Erwachsenen und nicht für die Kinder vorgesehen. Julia ist die ältere der beiden Figuren und läuft daher näher an der Strasse, damit sie den jüngeren Luca schützen kann. Was dabei auffällt: Kempf hat viel Geduld.

Er erklärt die Situationen immer wieder, lässt die Kinder selbst überlegen und greift erst ein, wenn es nötig ist. Die Kinder sollen nicht einfach eine Regel auswendig lernen. Sie sollen verstehen, warum sie etwas tun müssen. Dann wird es ernst.

Verkehr Kinder
Die Kinder sind bei den Übungen als «Hilfspolizisten» aktiv eingebunden und üben mit den Figuren Julia und Luca verschiedene Verkehrssituationen. - MS

Was vorher auf dem Strassenteppich geübt wurde, soll nun draussen auf dem Kindergarten- und Schulweg angewendet werden. Thomas Kempf kennt die Strecke und weiss, wo besondere Aufmerksamkeit gefragt ist.

Auf einer Karte hat er unübersichtliche oder schwierige Stellen markiert. Gemeinsam mit den Kindern geht er diese Situationen durch. Er beobachtet genau, wie sie sich verhalten, stellt Fragen und gibt Hinweise.

Der schwierigste Schritt ist manchmal der eigene Mut

Dabei zeigt sich, dass die Kinder die Regeln grundsätzlich gut verstanden haben. Sie wissen, wo sie warten müssen, schauen auf die Strasse und hören, ob ein Fahrzeug kommt. Schwieriger wird es in manchen Situationen beim eigenen Mut.

Wenn zwei Autos eindeutig stillstehen, fällt das Überqueren vielen Kindern leichter. Ist hingegen ein Teil der Strasse frei und könnte jederzeit noch ein Fahrzeug auftauchen, entsteht Unsicherheit.

Dann braucht es manchmal einen Moment, bis ein Kind den Mut fasst und sich sagt: Jetzt kann ich gehen. Genau solche Situationen sind für Kempf wichtig.

Er lässt die Kinder möglichst selbstständig handeln und greift nicht sofort ein. Denn Verkehrssicherheit entsteht nicht allein durch Erklärungen, sondern durch Wiederholung und Erfahrung.

Nach und nach gehen die Kinder einzeln oder zu zweit über den Fussgängerstreifen. Einige wirken zunächst konzentriert, andere etwas zögerlich. Wenn es geschafft ist, ist die Freude gross.

Man sieht den Kindern an, dass sie stolz sind, die Situation selbst gemeistert zu haben – und das unter den aufmerksamen Augen des Polizisten. Kempf beobachtet dabei nicht nur, sondern macht sich auch ein Bild davon, wo die Kinder bereits sicher sind und wo noch geübt werden muss.

Seine Einschätzungen gibt er anschliessend der Kindergartenlehrperson weiter. So können bestimmte Situationen auch im Alltag nochmals aufgegriffen und mit den Kindern geübt werden.

Mehr als ein Polizist

Während des ganzen Morgens wird deutlich, dass Thomas Kempf in seinem Beruf verschiedene Rollen verbindet. Er ist Polizist, Lehrer, Gesprächspartner und für die Kinder schnell auch eine vertraute Bezugsperson. Immer wieder bindet er die Kinder aktiv ein und lässt sie selbst Lösungen finden.

Dabei bezeichnet er sie auch als «Hilfspolizisten». Eine kleine Bezeichnung mit grosser Wirkung: Die Kinder fühlen sich ernst genommen und übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Verhalten im Strassenverkehr.

Er vermittelt ihnen Sicherheit, indem er ihnen zeigt, dass sie viele Situationen selbst bewältigen können. Dazu braucht es viel Kommunikation, Geduld und manchmal auch eine Portion Humor.

Hast du das Gefühl, dass Kinder bei uns im Strassenverkehr sicher sind?

Kempf begegnet den Kindern auf Augenhöhe und lässt ihnen Raum, selbst Antworten zu finden. Gleichzeitig bleibt er konsequent bei den wichtigen Regeln. Nach den Übungen draussen geht es zurück in den Kindergarten.

Wieder in Zweierreihe, so wie Julia und Luca auf dem Kindertrottoir. Zum Abschluss wartet im Kindergarten bereits Louis. Der Plüschschimpanse hat noch eine Überraschung dabei: eine Znünibox mit den vier Tieren, welche die Kinder durch den Morgen begleitet haben.

So können sie auch zu Hause von der Eule, dem Frosch, dem Elefanten und dem Strauss erzählen – und beim nächsten Gang über die Strasse daran denken. Denn was an diesem Morgen spielerisch beginnt, soll möglichst lange bleiben: Warte. Luege. Lose. Und erst dann laufe.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Zuger Woche» erschienen.

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